VIEL GESCHMACK, NULL ZUCKER

Wasser pur trinken, dabei aber Apfel, Pfirsich oder Limette bei null Zuckerzusatz schmecken: Für notorische Wassertrinkmuffel gibt es spezielle Trinksysteme. Sie haben mit Geruchsträgern bestückte Flaschen. Beim Trinken von Wasser entsteht dabei ohne großen Aufwand die Illusion vielfältiger Aromen. Doch es geht auch anders: Wasser wird im Handumdrehen durch Beigabe von ein paar frischen Früchten, Gemüsestücken oder Kräutern zu Wasser mit Geschmack, auch Infused Water genannt – eine Getränkealternative ganz ohne Zucker und abgefüllt in eine Trinkflasche der perfekte Begleiter durch den Tag.

Getränk mit Technik contra Infused Water

So funktioniert die Variante mit den Aromen: Am oberen Rand der Flasche wird ein Geruchsträger angebracht. Der zugehörige Trinkhalm saugt beim Trinken des Wassers gleichzeitig die durch den Geruchsträger aromatisierte Duftluft an, spürbar als kleine Blubberbläschen im Mund. Die Aromen gelangen weiter in unser Riechzentrum im Gehirn, wo sie als Geschmack wahrgenommen werden, obwohl wir tatsächlich nur reines Wasser trinken. Die verwendeten Aromen – nach Herstellerangaben ausschließlich natürlichen Ursprungs – werden zu verschiedenen Geschmacksrichtungen gemixt. Das Ganze soll auch für Allergiker und Diabetiker geeignet sein und ist ausgesprochen einfach in der Handhabung. Über gesundheitliche Gefahren ist bislang nichts bekannt.

Solche Produkte sind unschlagbar praktisch, jedoch in der Erstellung mit einigem Energieaufwand verbunden. Außerdem werden Kunststoffe verwendet.

Ähnlich einfach, aber ökologisch unbedenklich – weil ohne Kunststoff – und deutlich günstiger ist die Herstellung von Infused Water: Beeren, Ananas, Äpfel, Melonen sowie andere Früchte und ergänzend auch Gemüsesorten der Saison in Stücke schneiden und leicht andrücken, mit Wasser aufgießen und nach Geschmack mit Blättchen von Minze, Zitronenmelisse oder Basilikum aufpeppen. Für unterwegs in eine verschlussdichte Trinkflasche füllen und genießen.

Ändert sich wirklich etwas beim Fleisch?

Discounter und Verbrauchermärkte kündigen an, Frischfleisch aus den Haltungsformen 1 und 2 aus dem Programm zu nehmen und langfristig (bis 2030) nur noch solches aus den Haltungsformen 3 und 4 anzubieten. Damit soll dem Verbraucherwunsch nach mehr Tierwohl entsprochen werden. Doch was genau bedeuten die Haltungsformen eigentlich?

Haltungsformen 1 bis 4

Ins Leben gerufen wurde die Einstufung in vier Haltungsformen von acht großen Handelsunternehmen im Lebensmittelbereich bereits im April 2019. Doch richtig zum Thema wurde es erst vor wenigen Wochen, als mehrere Medien das Thema aufgriffen. Die Kennzeichnung betrifft unverarbeitetes, aber auch gewürztes oder mariniertes Frischfleisch von Schwein, Rind und Geflügel, das in den Selbstbedienungstheken angeboten wird.

Haltungsform 1 „Stallhaltung“:
gesetzlicher Mindeststandard

Haltungsform 2 „StallhaltungPlus“:
etwa 10 Prozent mehr Platz für die Tiere, Beschäftigungsmaterial, Rinder dürfen nicht angebunden sein

Haltungsform 3 „Außenklima“:
mehr Platz im Stall, Kontakt zum Außenklima (das gewährleistet beispielsweise auch eine offene Stallseite ohne Auslauf), Futter ohne Gentechnik

Haltungsform 4 „Premium“:
deutlich mehr Platz (bei Schweinen plus 100 Prozent) mit Auslauf ins Freigelände, Futter ohne Gentechnik, Anforderungen entsprechen in etwa dem EU-Bio-Siegel, kann aber auch konventionell erzeugte Ware sein

Was ist davon zu halten? Die Kennzeichnung der Haltungsformen und der Verzicht auf die Haltungsformen 1 und 2 ist ein erster Ansatz. Hinsichtlich des wirklichen Wohlergehens der Tiere ist die Klassifizierung aber wenig aussagekräftig, denn verhaltens- und gesundheitsbezogene Kriterien fließen in die Beurteilung nicht mit ein. Und eine Klassifizierung allein verbessert die Haltungsbedingungen der Tiere nicht. Die Frage ist auch, wo das bessere Fleisch so schnell herkommen soll, war das Fleisch der Haltungsformen 3 und 4 bislang doch Mangelware in den Theken der Verbrauchermärkte (mehr als die Hälfte des Angebots entstammte nach Recherchen der Verbraucherzentrale Hamburg Ende letzten Jahres der Haltungsform 1).

Tipp: Auf der Suche nach Fleisch aus wirklich artgerechter Haltung helfen weitere Siegel wie das EU-Biosiegel, Siegel der verschiedenen Bioanbauverbände oder der Fleischkauf bei einem regionalen Anbieter, bei dem man sich von den Haltungsbedingungen der Tiere selbst ein Bild machen kann.

Haltung zeigen: Hähnchen und Eier

Mehr Transparenz oder zusätzliche Verwirrung? Staatliche, freiwillige Tierwohl-Kennzeichen sind noch in Planung, doch Haltungsform-Kennzeichnung der Supermärkte, Verbandssiegel von Erzeugern, Tierschutzlabels vom Tierschutzbund für Hähnchenfleisch sowie Güteklassen, Gewichtsklassen und Erzeugercodes für Eier gibt es schon.

Eigentlich soll die Kennzeichnung den Einkauf erleichtern, doch kann das auch verwirrend sein: Während nämlich beim Erzeugercode auf dem Ei die niedrigste Ziffer 0 für die hochwertigste ökologische Erzeugung steht, wird bei den Haltungsformen der Supermärkte für Fleisch von Geflügel, Schwein und Rind die niedrigste Ziffer 1 für die Minimalanforderung an die Tierhaltung vergeben, kennzeichnet somit die schlechteste Qualitätsstufe. Ein genauer Blick auf die Kennzeichnung ist also wichtig, wenn es um den Kauf von Eiern oder Hähnchenfleisch aus artgerechter Tierhaltung geht.

Eier

Güteklassen: Beim Einkauf ohne Aussagewert

Eier der Güteklasse A sind im Einzelhandel nicht von außergewöhnlicher Qualität, sondern Standard, denn Eier der Güteklasse B werden in der Nahrungsmittelindustrie verarbeitet. Kriterien für die Güteklasse A sind beispielsweise saubere, unverletzte Schale, durchsichtiges Eiklar, Dotter in zentraler Lage. Außerdem darf weder der Keim nicht sichtbar entwickelt sein, noch darf dem Ei Fremdgeruch anhaften. Die zusätzliche Bezeichnung „Extra“ dürfen Eier nur bis sieben Tage nach Verpackungsdatum oder neun Tage nach Legedatum tragen. Die Farbe der Schale, also ob braun oder weiß, hat übrigens nichts mit der Qualität zu tun, sondern ist abhängig von der Rasse der Legehenne. Ebenso lassen weder ein auf dem Eierkarton aufgedrucktes Bild von glücklich im Sand scharrenden Hühnern noch der Begriff „aus kontrollierter Haltung“ irgendwelche Rückschlüsse auf die Haltungsart zu.

Gewichtsklassen: Groß oder klein, da gleicht (k)ein Ei dem anderen

Eier werden außerdem in vier Gewichtsklassen eingeteilt:

  • S/klein: bis 53 g
  • M/mittel: 53 bis 63 g
  • L/groß: 63 bis 73 g
  • XL/sehr groß: mehr als 73 g

 Erzeugercode: Nur hier wird eine relevante Qualitätsaussage getroffen

Der Erzeugercode muss auf dem Ei selbst aufgestempelt sein – also nicht wie Güteklasse oder Gewichtsklasse auf der Packung. Er gibt Aufschluss über:

  • die Art der Legehennenhaltung (erste Ziffer),
  • das Herkunftsland (Buchstabenkürzel wie DE für Deutschland oder NL für Niederlande)
  • den Erzeugerbetrieb (individuelle Betriebsnummer zusammengesetzt aus zwei Ziffern für das deutsche Bundesland sowie fünf Ziffern für den Betrieb)

Die erste Ziffer auf dem Code bezeichnet die Haltungsart der Legehennen:

0 = Ökologische Erzeugung (höchstens sechs Tiere pro Quadratmeter im Stall, insgesamt nicht mehr als 3.000, teilweise Einstreu mit Stroh, Holzspänen oder Sand, 18 cm Sitzstange pro Tier, angrenzende Freilauffläche, Futter überwiegend aus ökologischem Landbau möglichst vom selben Erzeugerbetrieb, der auch die Hennen hält)

1 = Freilandhaltung (neun Tiere pro Quadratmeter, insgesamt höchstens 6.000, Zugang zu begrünter Auslauffläche, Legenester und Sitzstangen)

2 = Bodenhaltung (neun Tiere pro Quadratmeter, maximal 6.000 im Stall, bei Ställen mit bis zu vier Ebenen übereinander 18 Tiere pro Quadratmeter, teilweise Einstreu, Legenester und Sitzstangen)

3 = Kleingruppenhaltung/Käfighaltung (diese Art der Haltung mit 30 bis 60 Tieren pro Abteil bei ausschließlich künstlicher Beleuchtung ist in Deutschland seit 2016 verboten, ein Bestandsschutz für bestehende Käfighaltung läuft 2025 aus)

Hähnchenfleisch

Haltungsform-Kennzeichnung der Handelsketten

Frisches unverarbeitetes sowie gewürztes oder mariniertes abgepacktes Fleisch in Supermärkten trägt bunte Haltungsform-Labels von 1 bis 4, die von großen Supermarktketten entwickelt wurden, um den Einkauf zu erleichtern. Die Einstufung für Hähnchen erfolgt nach den folgenden Kriterien:

1 = Stallhaltung (rot): Mindestanforderung für Stallhaltung mit maximal 39 kg pro Quadratmeter, trockener Einstreu zum Picken, Scharren und Staubbaden

2 = StallhaltungPlus (blau): Maximal 35 kg pro Quadratmeter, Beschäftigungsmaterial wie Stroh oder Picksteine

3 = Außenklima (orange): maximal 29 kg pro Quadratmeter, ständiger Zugang zum Außenklimabereich, mindestens zwei organische sowie veränderbare oder sich verbrauchende Beschäftigungsmaterialien

4 = Premium (grün): maximal 21 kg pro Quadratmeter, Zugang zu bewachsenem Freigelände für mindestens ein Drittel der Lebenszeit, Einstreu organischer Materialien auf mindestens ein Drittel der Stallfläche

Die theoretische Auswahlmöglichkeit bleibt in der Praxis in den Supermärkten leider nur allzu begrenzt. Verbraucherzentralen kamen bei einem bundesweiten Check zu dem Ergebnis, dass Fleisch von Tieren aus den besseren Haltungsbedingungen 3 und 4 Mangelware ist. Etwa 50 Prozent der Fleischangebote entstammen der Haltungsform 1, etwa 36 Prozent der Haltungsform 2. Echte Transparenz schafft die Haltungsform-Kennzeichnung ohnehin nicht, denn gesundheits- und verhaltensbezogene Kriterien spielen bei der Einteilung in Haltungsformen gar keine Rolle.

Wer beim Brathähnchen oder Suppenhuhn auf Nummer sicher gehen will, sollte Bioprodukte kaufen, die mit entsprechenden Ökosiegeln wie beispielsweise Bioland, Demeter oder Naturland ausgestattet sind. Das EU-Ökosiegel hat im Vergleich zu diesen Siegeln nicht ganz so strenge Standards.

Ebenfalls vertrauenswürdig ist Fleisch von Neuland-Betrieben. Hier wird nicht notwendig nach den Kriterien der Bioanbauverbände verfahren (das Futter muss zum Beispiel nicht aus Bioanbau stammen, Gentechnik ist aber auch hier tabu), doch sind die Anforderung an die Haltung der Tiere vergleichbar hoch.

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