Leben im Daueralarm

Was tun gegen Angst und Ängste?

Die Zahl der Ängste, die ein Mensch haben kann, ist nahezu so umfassend wie die Welt selbst – es gibt nichts, wovor nicht irgendjemand Angst haben könnte. Neben der Angst vor Spinnen gibt es beispielsweise die Angst vor Menschen und die Angst vor Blumen. Menschen können Angst haben vor Berührungen, vor Männern wie vor Frauen, vor Zahnärzten, vor Spritzen, vor leeren oder überfüllten Plätzen und Räumen, vor Höhen und Tiefen sowie vor der Arbeit. Und nicht zuletzt gibt es auch die Angst vor der Angst selbst.

KÖRPERLICHE UND SEELISCHE FOLGEN

All diesen Ängsten ist zweierlei gemein: Wer nicht unter ihnen leidet, findet manche skurril, reagiert mit Unverständnis oder vielleicht gar mit Belustigung. Doch wer unter ihnen leidet, macht ganz andere Erfahrungen – denn die Ängste sind nun einmal da und werden nicht willentlich erzeugt. Die Begegnung mit dem, was Angst macht, löst heftige körperliche Symptome aus wie Panikattacken, Herzrasen, Schweißausbrüche, Bauchkrämpfe, Atemnot, Lähmungsgefühle, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit und Schwindel. Kehren die Ängste oft wieder und bleiben sie unbehandelt, folgen oft weitere psychische Symptome wie Depressionen. Grund genug, sich zu fragen: Was kann man gegen Angst und Ängste machen?

EIN ALARMSYSTEM, DAS ZU ÜBERREAKTIONEN NEIGT

Zunächst sollte man unterscheiden zwischen der Angst und den Ängsten: Die Angst ist einmalig – sie ist die Urangst vor dem Ende, dem Tod. Sie begleitet uns seit Urzeiten – und sie kann sehr nützlich für das Überleben sein. Diese Angst überfällt den Menschen angesichts lebensbedrohlicher Situationen und löst einen Abwehr- oder Fluchtimpuls aus.

Bei einigen Menschen ist die Reizschwelle, ab der sie Angst empfinden, niedriger als bei anderen. Bei niedriger Reizschwelle ist das Alarmsystem permanent auf die höchste Warnstufe eingestellt – es finden sozusagen Überreaktionen statt: Auch Situationen, die nicht einmal ansatzweise gefährlich oder gar lebensbedrohlich sind, lösen Angstreaktionen aus. Die so entstehenden Ängste können ganz alltägliche Dinge betreffen.

WOHER KOMMEN ÄNGSTE?

Woher kommen die Ängste vor objektiv betrachtet ganz harmlosen Dingen oder Situationen? Zum einen können Ängste durch Erlebtes ausgelöst werden: Man hat einmal heftige Turbulenzen im Flugzeug erlebt und hat fortan Flugangst. Doch viele Menschen mit Flugangst haben noch nie ein Flugzeug bestiegen und auch keine Angehörigen oder Freunde durch einen Flugzeugabsturz verloren – die Angst ist also nicht immer erfahrungsbasiert.

Auch andere Ängste sind nicht immer rational nachvollziehbar: Wer Angst vor dem Zahnarztbesuch hat, weiß auf rationaler Ebene, dass er von diesem Termin sogar profitiert, weil er danach zum Beispiel keine Zahnschmerzen mehr haben wird. Doch die Angst ist oft stärker als der Wunsch, den Schmerz loszuwerden – Schmerzen lassen sich schließlich auch mit Schmerzmitteln betäuben.

Es gibt auch die Theorie, dass Ängste vererbt werden – schlimme Erfahrungen, die Vorfahren gemacht haben, werden unterschwellig auf die Nachfahren übertragen, obwohl die Erfahrungsgrundlage in der späteren Generation fehlt. Ängste sind eben oft unerklärbar und scheinen aus dem Nichts zu kommen. Das macht auch den Umgang mit ihnen so schwierig. Denn wo soll man ansetzen – und wie?

Der Tag der seelischen Gesundheit soll darauf aufmerksam machen, dass nicht nur körperliche, sondern auch seelische Erkrankungen sehr ernst genommen werden müssen – und einen sensiblen Umgang erfordern. Die Corona-Pandemie hat viele seelische Störungen hervorgerufen und verstärkt, neben Ängsten vor allem auch Depressionen.

35 %

Einer aktuellen Studie der pronova BKK zufolge haben 35 Prozent der befragten Eltern Angst davor, dass ihre Kinder erkranken könnten.

29 %

29 Prozent haben Ängste bezüglich der Folgen von Umweltzerstörungen und Klimawandel auf das Leben ihrer Kinder.

8 %

Die interne Statistik der pronova BKK zeigt für das Jahr 2020 eine Steigerung von 8 Prozent bei Angsterkrankungen, Stress und Anpassungsstörungen.

40 %

Die Nachfrage nach einer psychotherapeutischen Versorgung zu den Themen Depression, Angsterkrankungen und Sucht stieg 2020 um 40 Prozent.

DAS KÖNNEN SIE SELBST GEGEN ÄNGSTE TUN

Sind die Ängste nicht allzu stark ausgeprägt, kann man den Kerngedanken einer Konfrontationstherapie in Eigenregie umsetzen: Bei Angst vor Fahrstühlen und der Enge in ihnen oder der Gefahr des Steckenbleibens setzt man sich ganz bewusst dieser Situation aus und wählt nicht die Vermeidungsstrategie Treppe, sondern den Fahrstuhl. Es kostet von Mal zu Mal weniger Überwindung – auch wenn vielleicht ein ungutes Restgefühl bleiben wird.

Sobald der Fahrstuhl seinen Schrecken ganz oder teilweise verloren hat, kann man auch getrost wieder die Treppe nehmen: Treppensteigen ist als zusätzliche Bewegungseinheit schließlich sehr gesund.

Nach diesem Muster können Sie auch andere Ängste überwinden. Sind die körperlichen Symptome wie Herzrasen oder Übelkeit allerdings zu stark, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

THERAPEUTISCHE HILFE

Wenn Ängste überhandnehmen und ein normales Leben unmöglich machen, ist es an der Zeit, etwas gegen sie zu unternehmen. Der erste Gang sollte zur Klärung von Behandlungsoptionen in die hausärztliche Praxis führen. Generell gibt es drei Möglichkeiten: eine Psychotherapie, eine medikamentöse Therapie und eine Kombination beider Therapieformen.

Im Bereich der Psychotherapie kann eine sogenannte kognitive Verhaltenstherapie oft hilfreich sein. Man spricht auch von einer Konfrontationstherapie: Patientin oder Patient werden – zunächst fast immer in therapeutischer Begleitung – mit der angstauslösenden Situation konfrontiert, um herauszufinden, was genau an ihr eigentlich die Angst auslöst. Es geht also darum, Abläufe zu erkennen und zu verstehen, um künftig im Alltag besser damit umgehen zu können. Eine medikamentöse Therapie unterbricht den hormonellen Schaltkreis, der Angstgefühle entstehen lässt. In Kombination mit einer kognitiven Verhaltenstherapie ermöglicht sie das erste Sich-Einlassen auf eine Begegnung mit der angstauslösenden Situation. Solche Medikamente haben allerdings einen Gewöhnungseffekt, sie sollten daher nur zeitlich begrenzt genommen und von einer Psychotherapie begleitet werden.

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Online-Unterstützungsprogramm bei Depressionen, Ängsten oder Burn-out

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Unser Gehirn und die Angst

Angst gehört neben anderen Gefühlen wie Freude, Trauer, Ärger, Lust, Überraschung und Ekel zu unseren angeborenen Emotionen. Alle Menschen empfinden diese Grundgefühle, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. Emotionen entstehen im Gehirn, wo man sie mit Hilfe bildgebender Verfahren sogar sichtbar machen kann. Wesentlich an der Entstehung von Angstgefühlen beteiligt sind das limbische System und die Amygdala.

Die Amygdala, auch als Angstzentrum bezeichnet, ist Ausgangspunkt von reflexhaften und in Bruchteilen von Sekunden ablaufenden primären körperlichen Angstreaktionen auf äußerliche Reize wie Geräusche, etwa ein lauter Knall, visuelle Wahrnehmungen wie der Anblick einer Spinne oder Geruchswahrnehmungen wie beispielsweise Brandgeruch. Doch in einer zeitlich verzögerten sekundären Reaktion löst sich die Anspannung der Angst in vielen Fällen wieder, nämlich immer dann, wenn wir bewusst wahrnehmen und erkennen, dass der äußerliche Reiz keine wirkliche Gefahr signalisiert.

Das limbische System

Unsere Emotionen werden wie auch unser Triebverhalten oder unser Gedächtnis durch das limbische System in enger Zusammenarbeit mit anderen Hirnarealen gesteuert. Das limbische System – angesiedelt zwischen Großhirnrinde und Hirnstamm – ist weniger ein exakt festgelegter Bereich, als vielmehr eine funktionale Einheit. Entwicklungsgeschichtlich sehr alte Hirnstrukturen wie Amygdala und Hippocampus gehören unter anderen dazu. Da alle Säugetiere über ein limbisches System verfügen, wird es auch als Säugergehirn bezeichnet. Im Unterschied dazu heißt der entwicklungsgeschichtlich noch deutlich ältere Teil unseres Gehirns – der die lebenswichtigen Funktionen steuernde Hirnstamm – auch Reptiliengehirn.

Die Amygdala

Wegen ihres Aussehens wird die Amygdala auch als Mandelkern bezeichnet. Jeweils vorn im Schläfenlappen befindet sich ein solcher aus 13 Kernen bestehender Mandelkernkomplex. Hier werden die über den Thalamus – die zentrale Verteilerstelle im Gehirn – eingehenden Sinneswahrnehmungen blitzschnell analysiert. Als Bedrohung bewertete Reize aktivieren umgehend über Hypothalamus, Hypophyse und Hirnstamm das autonome Nervensystem. Hormone werden ausgeschüttet und machen uns bereit zu Flucht oder Kampf: Die Pupillen weiten sich, das Herz schlägt kräftiger, der Atem wird schneller, die Blutgefäße werden weitgestellt, Magen- und Darmfunktionen werden heruntergefahren mit Übelkeit als Folge. Solche Angstreaktionen, auch als Panikschleife bekannt, sind entwicklungsgeschichtlich uralt. Die völlig unbewusst und unreflektiert ablaufende Angstreaktion kann lebensrettend sein – oder auch fehlgeleitet, wenn wir etwa die Flucht ergreifen, weil wir vage etwas Schlangenartiges wahrnehmen, es sich aber in Wirklichkeit um ein Seil handelt.

Diese Erkenntnis – es ist ein Seil, keine Schlange! –, gefolgt von einer angemessenen bedächtigen Reaktion, setzt jedoch erst mit zeitlicher Verzögerung ein. Der Thalamus leitet die eingehenden Sinneswahrnehmungen nämlich auch an den Cortex, die Großhirnrinde, weiter. Im sogenannten Neocortex, dem stammesgeschichtlich jüngsten Teil des Cortex, befinden sich sensorische Areale, die eingehende Signale genauer analysieren und bewusster beurteilen. Mit Hilfe des Hippocampus – ein wichtiger Akteur des limbischen Systems – werden bewusst wahrgenommene Signale eingeordnet und auch abgeglichen mit bereits gemachten Erfahrungen. So kann eine unbewusst gesteuerte schnelle Angstreaktion modifiziert werden: Wir nehmen das Seil jetzt als solches wahr und entspannen uns. Dieser langsamere und genauere Schaltkreis der Angst wird daher auch als Korrekturschleife bezeichnet.

Das emotionale Gedächtnis

Durch das Zusammenspiel von Amygdala und Hippocampus bildet sich ein emotionales Gedächtnis aus. Der Hippocampus – genauer gesagt handelt es sich um zwei jeweils in beiden Hirnhälften nahe der Amygdala liegende wurmartig gebogene Strukturen – wird aus mehreren Quellen mit Informationen versorgt. Diese werden als Erinnerungen kodiert und können als solche auch wieder abgerufen werden. Lange zurückliegende emotionale Momente beeinflussen bisweilen die gegenwärtige Gefühlslage, etwa wenn wir Angst davor haben, vom Drei-Meter-Brett zu springen, weil wir schon einmal eine schlechte Erfahrung dabei gemacht haben. Aktuelle Wahrnehmungen können aber auch durch einen Vergleich mit abgespeicherten Erinnerungen schneller richtig eingeordnet und bewertet werden. So können Reaktionen bewusst und passgenauer in Gang gesetzt werden.

Diese Hirnareale wirken mit bei der Entstehung von Angst

Amygdala: Ausgangspunkt von reflexhaften und in Sekundenbruchteilen ablaufenden Angstreaktionen auf äußerliche Reize wie Geräusche, visuelle Wahrnehmungen und Geruchswahrnehmungen.

Limbisches System: Funktionale Einheit, umfasst u.a. Amygdala und Hippocampus. Steuert Emotionen, Triebverhalten und Gedächtnis in enger Zusammenarbeit mit anderen Hirnarealen.

Hippocampus: Hier fließen Informationen verschiedener sensorischer Systeme zusammen. Sitz des emotionalen Gedächtnisses.

Thalamus: Zentrale Verteilerstelle im Gehirn. Sammelt Eindrücke des Sehens, Hörens, Fühlens und der Temperatur- und Schmerzempfindung und leitet sie an andere Hirnbereiche weiter.

Hypothalamus: Koordiniert als übergeordnetes Zentrum u. a. Blutdruck sowie Wasser- und Salzhaushalt.

Hypophyse: Regelt u.a. die Freisetzung von Hormonen.

Hirnstamm: Entwicklungsgeschichtlich ältester Teil unseres Gehirns, auch Reptiliengehirn genannt. Für essenzielle Lebensfunktionen zuständig (Steuerung der Herzfrequenz, des Blutdrucks und der Atmung); löst automatische Verhaltensreaktionen aus, die von einem Erstarren über Flucht bis zum Angriff reichen können.

Angst vor dem Unbekannten

Treffen wir auf Unbekanntes und Fremdes, tendieren wir entweder zu Interesse und Neugier oder zu Vorsicht und Ängstlichkeit. Beide Verhaltensweisen sind tief im Menschen verankert und rühren daher, dass das Unbekannte als etwas Neues, mit dem man noch keine Erfahrungen gemacht hat, sowohl potenziell nützlich als auch potenziell gefährlich sein kann. Welche Verhaltensweise überwiegt, hängt von der individuellen Verfassung eines Menschen ab, wozu nicht nur die Biochemie seines Gehirns zählt, sondern auch das dort gespeicherte Erfahrungswissen.

Wenn wir auf fremde Menschen treffen

Noch vor nicht allzu langer Zeit wurden Fremde, die in ein Dorf oder eine Kleinstadt kamen, grundsätzlich misstrauisch beäugt: Wer mochten diese Menschen sein, woher kamen sie, welche Absichten hegten sie? In den größeren Städten, wo durch weitreichende Handelsbeziehungen andauernd fremde Gesichter auftauchten, hatte man sich an das Fremde gewöhnt und hieß es willkommen: Die Fremden brachten Handelsware, man konnte mit ihnen gute Geschäfte machen, erfuhr Neuigkeiten aus aller Welt durch sie. Ähnlich ging es in Orten zu, in denen Tourismus – früher Fremdenverkehr genannt – eine wichtige Rolle spielte: Gäste aus der Fremde waren überlebenswichtig. Auch gibt es einen Bereich, in dem fast alle Menschen keinerlei Berührungsängste gegenüber dem Fremden und Exotischen haben: das weite Reich der astronomischen Genüsse.

Beschleunigung und Globalisierung: Das Fremde wird alltäglich

Im Zeitalter der Globalisierung, das zugleich ein Zeitalter der extremen Beschleunigung ist, sind Menschen aus allen Weltgegenden nicht mehr die Ausnahme, sondern allgegenwärtig geworden. Dennoch gibt es Probleme. Liegt es daran, dass die Verhältnisse sich zu rasch ändern? Oft kommt es bei der alteingesessenen Bevölkerung zu Irritationen und Besorgnissen: Was wollen diese Menschen hier, welche Gefahren bringen sie vielleicht mit? Es sind die uralten, angestammten Verhaltensmuster, die sich immer wieder melden. Es kommt nicht selten zu Überreaktionen, die unter dem Begriff Fremdenfeindlichkeit gefasst werden. Genau genommen ist es aber eine Angst, die sich hier meldet: Die Xenophobie, die Angst vor dem Fremden. Wie jede Angst lässt sich auch die abbauen.

Die Begegnung suchen

Angst lähmt. Wer Angst hat vor fremden Menschen, geht ihnen aus dem Weg, meidet den Kontakt. Wer den Kontakt meidet, bringt sich selbst um die Möglichkeit, neue Erfahrungen zu machen, die den eigenen Horizont erweitern können. Deshalb ist es grundsätzlich eine gute Entscheidung, den Kontakt zu Fremden zu suchen. Wenn die Kontaktaufnahme zunächst von einer gewissen Vorsicht begleitet ist, ist das absolut normal.

Von der Phobie zur Freundschaft

Phobien engen das eigene Leben ein. Allein schon deshalb sollten wir ihnen keine Macht über uns geben. Gehen wir also auf den Fremden zu – auf neue Kolleginnen oder Kollegen aus anderen Erdteilen ebenso wie auf Geflüchtete in der Nachbarschaft. Die Annäherung muss nicht überschwänglich sein, sie kann sich langsam und schrittweise vollziehen. Eine Brücke lässt sich leicht bauen durch Hilfe beim Abbau von Sprachbarrieren, durch Interesse an der anderen Kultur sowie am individuellen Schicksal und der damit verbundenen Lebenserfahrung.

Konfrontationstherapie: Drei Beispiele

Beispiele für weit verbreitete situationsbezogene Ängste sind die Flugangst, die Zahnarztangst und die Angst vor Höhen. In der Therapie gilt es herauszufinden, was genau die Angst auslöst – und wie sich dem entgegenwirken lässt. Hat man die angstauslösenden Reize identifiziert, kann man lernen, mit ihnen umzugehen.

Die Zahnarztangst

Sogenannte Angstpatienten haben weniger Angst vor dem Zahnarzt als Person, als vielmehr vor den Begleitumständen einer zahnärztlichen Behandlung. Neben der Angst vor den Schmerzen einer Behandlung sind es vor allem die Angst vor dem Ersticken, die Angst vor dem Brechreiz und die Angst vor den Geräuschen der Behandlung. Eine Zahnarztangst ist deshalb so gefährlich, weil nicht ausgeführte Behandlungen nicht nur zum Verfall des Gebisses beitragen, sondern auch Entzündungen sich ausbreiten können.

Die Angst vor Schmerzen lässt sich relativ leicht ausräumen: Es gibt Schmerzmittel oder die ebenfalls schmerzausschaltende Hypnose. Auch der Angst vor dem Ersticken kann man relativ einfach begegnen: Sie entsteht dadurch, dass – wenn während der zahnärztlichen Behandlung – die benötigten Werkzeuge die Atmung erschweren. Hier schafft die Umstellung auf Nasenatmung Abhilfe. Bei Würgereizen kann man mit dem Personal vereinbaren, dass auf ein verabredetes Handzeichen hin die Behandlung sofort für einen Moment der Erholung unterbrochen wird. Die Angst vor den zahnarzttypischen Begleitgeräuschen lässt sich beseitigen mit der Lieblingsmusik über Kopfhörer. In jedem Fall ist es sinnvoll, vor einer ersten Behandlung das Gespräch mit Zahnärztin oder Zahnarzt zu suchen, eventuell auch außerhalb der Behandlungsräume. In den meisten zahnärztlichen Praxen kann man aufgrund langjähriger Erfahrungen mit der Zahnarztangst gut umgehen.

Die Flugangst

Gegen Flugangst werden Seminare angeboten – in Präsenz und online. Hier geht es ebenfalls darum herauszufinden, wovor jemand Angst hat – ist es die relative Enge, die im Flugzeug herrscht? Ist es die Angst vor einem Absturz? Viele flugspezifische Ängste beziehen sich auf physikalische Fragen, sie lassen sich leicht ausräumen – hat man begriffen, wie ein Flugzeug es schafft, trotz seines immensen Gewichts in der Luft zu bleiben, gewinnt man Vertrauen. Fliegen ist statistisch gesehen nach wie vor die sicherste Art zu reisen. Auch die Enge im Transportmittel Flugzeug ist nichts Besonderes – Ähnliches findet man auch in Bus und Bahn. Und gegen Aufpreis lässt sich ja ein wenig mehr Bein- und Sitzfreiheit gewinnen. Wer Angst vor der gesamten Flugsituation hat, setzt sich nicht ans Fenster – was man nicht sieht, lässt sich leichter ausblenden. Erfahrungsgemäß überwiegt aber auch bei den meisten zunächst ängstlichen Passagieren schon bald die Lust auf die ungewohnte Perspektive – und die Angst ist wie weggeblasen. Um Begleiterscheinungen wie Übelkeit entgegenzuwirken, kann man vorher ein Mittel gegen Reisekrankheit einnehmen. Meldet sich die Nervosität, helfen pflanzliche Beruhigungsmittel.

Auch bei der Flugangst bestätigt sich das, was für nahezu alle situationsbezogenen Ängste gilt: Angst hat man vor dem, was man nicht kennt. Lernt man es kennen – und verstehen – verfliegen die Ängste meist von ganz allein.

Die Höhenangst

Es gibt Menschen, denen wird schon schwindelig, wenn sie irgendwo im zweiten Stock auf dem Balkon stehen und herunterschauen. Instinktiv treten sie von der Balkonbrüstung zurück, aus Angst, sie könnten gleichsam magisch in die Tiefe gezogen werden und hinabstürzen. Diese Angst nennt man Höhenangst.

Man kann sich natürlich rational klarmachen, dass allein die Bauaufsicht schon dafür Sorge trägt, dass niemand so leicht über eine Balkonbrüstung in die Tiefe stürzt. Und wem auf Aussichtstürmen leicht schwindelig wird, hilft vielleicht die Überlegung, dass vor einem schon Tausende von Menschen die Aussicht genossen haben ohne hinabzustürzen.

Doch die Ratio hat gegen die Angst immer einen schweren Stand. Deshalb hilft vor allem eine langsame Gewöhnung: Man zwingt sich dazu, in die angstauslösende Situation einzutreten. Das erste Mal vielleicht nur kurz. Beim zweiten Mal erinnert man sich, dass beim ersten Mal nichts passiert ist – und hält die Situation vielleicht etwas länger aus.

Wie sieht die therapeutische Begleitung aus?

Im Fall von Angst vor Höhen und im Fall der Zahnarztangst kann die Therapeutin oder der Therapeut im Rahmen einer Konfrontationstherapie dabei sein, bei einem Flug wird es sich schwieriger oder zumindest teurer gestalten.

Ziel ist ja auch nicht, fortan in therapeutischer Begleitung durchs Leben zu gehen, sondern sich all diesen Situationen allein zu stellen – und sie allein zu überstehen. In der Regel werden Therapeutin oder Therapeut es deshalb bei einer intensiven Vorbereitung auf die Situation belassen, also beim Training. Hinzu kommt natürlich das Gespräch, wenn die Situation überstanden oder schlimmstenfalls der Versuch gescheitert ist. Therapeutische Erfolge sind fast immer das Ergebnis einer langsamen, aber steten Annäherung an die gefürchtete Situation.

Zwischen Daueralarm und Vorsicht: Wie man Gefahren richtig einzuschätzen lernt und störenden Ängsten den Boden entzieht

Situationsbezogene Ängste sind lästig, denn sie hindern uns am Leben. Menschen, die unter vielen Ängsten leiden, ziehen sich oft zurück – auch weil sie nicht andauernd auf ihre Ängste angesprochen werden möchten. In der Folge kann es zur Entwicklung von Depressionen kommen. Also sollten wir alles daransetzen, uns von Ängsten zu befreien. Andererseits ist es nicht immer einfach, die Grenze zu ziehen zwischen übertriebener Angst und gebotener Vorsicht.

Die Grenze zwischen Angst und Vorsicht

Tiere sind ein häufiger Angstauslöser. Und jedes Tier, sei es noch so niedlich, hat das Potenzial, uns zu schädigen. Wenn es uns auch nicht immer gleich beißt, so kann es vielleicht doch Krankheitserreger übertragen. Es ist also grundsätzlich nicht verkehrt, Vorsicht walten zu lassen – das gilt vor allem bei Wildtieren.

Doch zuweilen kann auch von Haustieren eine Gefährdung ausgehen – Katzen beispielsweise können die Toxoplasmose-Erreger übertragen. Der Mensch ist zwar nur ein Zwischenwirt für den Parasiten, doch bei Immungeschädigten oder Schwangeren kann eine Infektion schwerwiegende Folgen haben.

Vorsicht ist also angebracht, Angst jedoch nicht. Denn das Wissen um eine Gefährlichkeit in bestimmten Situationen reicht aus, um als gefährdete Person Abstand zu halten. Damit kommen wir zu einem entscheidenden Faktor: Wissen.

Rationalität als Schlüssel?

Je mehr man über die Welt weiß, desto besser kann man potenzielle Risiken einschätzen: Man weiß, dass ein Asteroid die Erde treffen und einen Großteil des irdischen Lebens auslöschen könnte. Auch könnte ein Supervulkan ausbrechen und einen ähnlichen Effekt haben. Doch man weiß auch, dass die Wahrscheinlichkeit, dass dies innerhalb der eigenen Lebenszeit geschieht, relativ gering ist – die Gefahr ist also eher abstrakt als real.

Doch das Wissen allein reicht nicht, denn die Auslösung einer Angst geschieht auf biochemischer Basis im Körper, sie ist also nicht immer rational auszuhebeln. Die Angst ist menschheitsgeschichtlich viel tiefer in uns verwurzelt als Verstand und Vernunft es sind.

Der fruchtbare Unterschied zwischen realen und irrealen Ängsten

Dennoch sollte man versuchen, der Rationalität möglichst großen Raum zu geben. Merkt man, dass Ängste Besitz von einem zu ergreifen drohen, ruft man sich beim ersten Anzeichen frühzeitig zur Ordnung, so wie Eltern es gegenüber einem kleinen Kind tun würden. Mitunter hilft dieser Appell, um sich zu beruhigen.

Dieses „Zur-Ordnung-rufen“ kann übrigens auch helfen, reale Gefahren – die etwa von einer fortschreitenden Umweltzerstörung ausgehen – von weniger realen Gefahren zu scheiden. Ängste vor Umweltzerstörung haben gegenüber Ängsten vor Vulkanausbrüchen oder Asteroideneinschlägen immerhin den großen Vorteil, dass man konkret etwas gegen sie machen kann, indem man sich zum Beispiel selbst umweltbewusster verhält und andere dazu anleitet.

Erfahrung als weiterer wichtiger Faktor gegen Angst

Je mehr Erfahrungen wir machen, desto besser wissen wir Situationen einzuschätzen. Es müssen nicht immer eigene Erfahrungen sein – Menschen können auch aus den Erfahrungen anderer Menschen lernen. Deshalb ist es so wichtig, den Austausch mit anderen Menschen zu suchen und auch ruhig einmal nachzufragen, wie sie denn diese oder jene Situation wahrgenommen oder bewältigt haben – miteinander reden hilft!

In Verbindung mit Rationalität – also dem Rückgriff auf Wissen und den Gebrauch des Verstandes bei der Bewertung von Situationen – kann die Erfahrung ganz entscheidend dazu beitragen, dass wir „gefährlich“ von „weniger gefährlich“ und „gänzlich ungefährlich“ zu unterscheiden lernen. So können wir das innere Alarmsystem konditionieren, dass es nicht gleich beim allerersten Anzeichen losschrillt und uns in Panik versetzt.

Vorsorge vermeiden aus Angst vor der Diagnose?

Früherkennungs- und Vorsorgeuntersuchungen gehören zu den wichtigsten Gesundheitsmaßnahmen überhaupt. Denn je eher eine Erkrankung erkannt wird, desto besser ist sie behandelbar und heilbar. Dennoch nehmen manche Menschen diese Untersuchungen nicht in Anspruch. Und zwar aus Angst vor einem positiven Befund.

Die Angst vor der Diagnose ist im Kern eine vorweggenommene Todesangst im Kleinen, die vom schlimmsten Fall ausgeht – nämlich der Diagnose „Es tut uns leid, wir können nichts mehr für Sie tun“. Doch genau dieser Fall ist extrem selten.

Erkannt ist immer besser als nicht erkannt

Krebsfrüherkennungsuntersuchungen erkennen eine Tumorerkrankung im Regelfall bereits im Frühstadium beziehungsweise im Vorstadium – also lange bevor ein Tumor bedrohlich wird und streut. Zu diesem Zeitpunkt ist auch die Behandlung oft komplikationslos. Die Angst vor der Untersuchung selbst ist unbegründet – sie mag als unangenehm empfunden werden, ist jedoch mit keinen außergewöhnlichen Risiken behaftet.

Die Angst vor einem Befund richtet sich vor allem auf die Fälle, in denen eine Erkrankung schon fortgeschritten ist und eine Behandlung durch eine Operation oder eine Chemotherapie bald einsetzen muss, um Heilungschancen zu wahren.

In diesem Fall werden die zuvor diffusen Ängste zu sehr konkreten Sorgen: Werde ich die Behandlung gut überstehen? Wie stark werden die Nebenwirkungen der Therapie sein? Kann die Krankheit überhaupt geheilt werden? Welche Folgen haben die Erkrankung und die Behandlung für meine Familie, meine Partnerschaft, meinen Job, meine wirtschaftliche Situation, mein Leben? Natürlich können die Folgen einer entdeckten und potenziell tödlichen Erkrankung massiv für das Leben sein – doch eine zu spät entdeckte tödliche Erkrankung hätte noch massivere Folgen.

Man sollte also auch bei einem solchen Befund grundsätzlich froh sein, dass die Erkrankung erkannt wurde, solange Heilungschancen bestehen. Nach dem ersten Schrecken geht es vor allem um Schadensbegrenzung.

Ein rationaler, planender Umgang hilft

Wie sieht die Schadensbegrenzung aus? An vorderster Stelle gilt es, eine möglichst rasch einsetzende Therapie zu erhalten. Dabei ist zu klären, was wann wo und wie gemacht werden soll, eventuell ist es auch sinnvoll, eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen. Sodann sind die privaten Dinge zu klären: Wenn kleine Kinder oder kranke Verwandte zu versorgen sind, muss die Versorgung anderweitig geregelt werden. Wer kann einspringen? Der Partner oder die Partnerin? Verwandte? Freunde? Leben Kinder im Haushalt sollte geprüft werden, ob eine Haushaltshilfe – finanziert durch die gesetzliche Krankenversicherung – in Anspruch genommen werden kann. Im Fall von pflegebedürftigen Angehörigen besteht eventuell ein Anspruch auf Verhinderungspflege. Viele Fragen können Betroffene mit der pronova BKK abklären.

Geregelt werden muss natürlich auch die berufliche Seite. Das Wichtigste vollzieht sich automatisch: Bei Beschäftigten greift mit der Krankschreibung die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber, nach sechs Worten gefolgt durch das allerdings geringere Krankengeld. Es wäre zu überlegen, ob man rechtzeitig – also noch vor der Diagnose – eine private Krankentagegeldzusatzversicherung abschließt, um die Differenz gegenüber dem Nettolohn auszugleichen. Natürlich sollte man die Rückkehr an den Arbeitsplatz unbedingt einplanen. So werden alle Folgeängste nach und nach eingefangen.

Freunde einbeziehen – und nie die Zuversicht verlieren

Ganz wichtig ist es auch, Freunde ins Boot zu holen, die einem auf vielfältige Weise Unterstützung anbieten können. Nachdem man die verschiedenen Sicherungssysteme gecheckt und aktiviert hat, kann man sich beruhigt und mit Zuversicht auf die Behandlung konzentrieren. Denn diese Zuversicht – also die Unterstützung durch die eigene Psyche – ist für den Behandlungserfolg immens wichtig. Und Zuversicht ist auch ein gutes Mittel gegen die Angst.

Das wichtigste Mittel gegen die Angst vor der Vorsorge: Regelmäßig zur Vorsorge gehen

Es klingt paradox, dennoch ist es wahr: Je regelmäßiger man zur Vorsorge geht, desto höher ist die Chance, dass Erkrankungen so früh entdeckt werden, dass sie erfolgreich und ohne große Rückwirkungen auf das Leben therapiert werden können. Außerdem sorgt der Gewöhnungseffekt schon bald davor, dass die Aussicht, demnächst wieder zu einer Untersuchung zu müssen, ihren Schrecken verliert. Glauben Sie nicht? Probieren Sie es aus!

Ängste bei Kindern

Große schwarze Hunde, fürchterliche Monster im Schrank oder die erste Buchvorstellung in der Grundschule: Kinder kennen viele Anlässe, Angst zu haben. Doch Eltern müssen sich deswegen nicht sorgen: Angst ist ein wichtiges Gefühl. Es fördert in der Kindheit den Reifungsprozess und schützt vor leichtsinnigen Handlungen. Oft suchen Kinder den Grusel sogar und stellen sich selbst gewählten Mutproben.

Ängste gehören bei Kindern zur normalen Entwicklung. Sie sind ein wichtiges Warnsignal vor potenziellen Gefahren und tragen zum Reifungsprozess bei. Denn eine Angst überwunden zu haben, macht stark und mutig. Mutig genug, um sich der nächsten, schwierigen Situation zu stellen. Die erste Angst, mit der ein Baby konfrontiert wird, ist die vor plötzlich auftretendem Lärm. Die Ärmchen zucken in die Höhe und das laute Geräusch wird mit Weinen quittiert. Auch das Fremdeln ist typisch für Kleinkinder. Anfangs lässt sich das Baby von jedem auf den Arm nehmen, doch ab dem vierten, spätestens achten Monat, versteckt es vor Fremden seinen Kopf an der Schulter der Mutter. Selbst die Großeltern können auf einmal Ängste auslösen.

Albträume, Leistungsangst und Lebensangst

Zwar träumt ein Baby in dem Alter bereits, doch die bei Kindern häufig auftretenden Albträume kommen in der Regel erst zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr. Das Kind wacht dann schreiend auf und ruft nach den Eltern. Manchmal scheint es nicht richtig aufzuwachen und weint minutenlang, ohne sich beruhigen zu lassen. Dieses Phänomen heißt Nachtschreck, unter dem viele, aber längst nicht alle Kinder leiden. Für die Eltern ist er verstörend, doch normalerweise verschwindet er so schnell wieder, wie er erschienen ist.

Mit ungefähr sechs Jahren kann es zu Ängsten im Zusammenhang mit der Schule kommen und ab zwölf Jahren treten nicht selten Leistungsangst und Zukunftsangst auf oder Ängste, die sich mit der eigenen Sexualität befassen.

Mit Monsterspray auf Monsterjagd

Ob Albtraum, die Angst vor einem Monster unter dem Bett oder vor einem Referat in der Schule: Ignorieren Sie die Gefühle Ihres Kindes niemals. Selbst wenn das Kind seine Furcht noch nicht richtig benennen kann und sie sich beispielsweise als Bauchschmerzen äußert. Denn für den Augenblick ist die Angst wie ein haushohes Hindernis, das unüberwindbar scheint. Verkneifen Sie sich also beruhigende Bemerkungen wie „Aber die Schule macht dir sonst immer Spaß!“ und „Monster gibt es gar nicht“, sondern unterstützten Sie Ihr Kind darin, sich seiner Furcht zu stellen.

Das können zunächst ganz kleine Schritte sein. Bei der Angst vor Monstern könnten Sie am ersten Abend mit einem Monsterspray, zum Beispiel ein Aromaspray mit beruhigend wirkendem Lavendel, das Zimmer aussprühen, am zweiten tief unters Bett sprühen und am dritten Tag zusammen mit dem Kind unter das Bett schauen und dort aufräumen. So lernt das Kind: „Mama oder Papa nehmen mich ernst und mit ihnen bin ich stark genug, um der beängstigenden Situation gegenüberzutreten.“

Vorlesen, singen, spielen – alles kann helfen

Nehmen Sie Ihr Kind in den Arm und kuscheln Sie, wenn die Angst übermächtig wird. Haben Sie sich möglicherweise in Ihrer Kindheit selbst vor etwas gefürchtet? Dann erzählen Sie das Ihrem Kind und berichten Sie, wie Sie die Furcht überwunden haben.

Darüber hinaus geben Rituale Sicherheit und in einem besonders gruseligen Moment, zum Beispiel bei einem herannahenden Gewitter, können Sie gemeinsam das mulmige Gefühl im Bauch wegsingen. Wenn das Kind im Kindergarten unter Trennungsangst leidet, hilft es, ein Kuscheltier oder Tröstekissen als Freund und Beschützer mitzugeben. Oft genügt es, wenn der Gegenstand an der Garderobe in einer Tasche aufbewahrt wird. Sprechen Sie am besten mit den Erzieherinnen oder Erziehern darüber, weil eigenes Spielzeug nicht immer erwünscht ist.

Zuhause können Sie zudem Bücher vorlesen, die Ängste und deren Überwindung thematisieren, oder schlichtweg Märchen. Denn darin werden Ängste kindgerecht aufgearbeitet – und am Ende siegt immer das Gute.

Wann Sie sich Hilfe holen sollten

Die meisten Kinderängste wachsen sich von alleine aus. Wenn das Kind allerdings unter länger anhaltender oder panikartiger Angst leidet, kann sich eine Angststörung entwickelt haben. Für Eltern ist es häufig nicht leicht zu erkennen, wann es ratsam ist, sich psychologische Unterstützung zu holen. Einen Experten sollten Sie aufsuchen, wenn Sie das Gefühl haben, dass die Angst die Entwicklung Ihres Kindes oder seinen Alltag beeinträchtigt. Auch regelmäßige Beschwerden wie zum Beispiel Bauchschmerzen, Übelkeit oder Kopfschmerzen, für die sich keine körperlichen Ursachen finden lassen, sind ein Alarmsignal. Manchmal fühlen sich Eltern zudem im Umgang mit dem Kind unsicher oder ängstlich. In dem Fall sollten Sie sich ebenfalls an eine Fachperson wenden. Wird eine Angststörung diagnostiziert, ist sie in der Regel gut behandelbar, beispielsweise durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen.

Manipulation durch Angsterzeugung – und wie Urvertrauen dagegen hilft

Es gibt nicht nur zahlreiche situative Ängste wie etwa vor Tieren, engen Räumen, Tiefen und Höhen. Es werden oft noch zusätzliche Ängste geschürt. Nicht zuletzt geschieht dies auch im Gesundheitsbereich, etwa um den Absatz bestimmter, frei verkäuflicher Produkte anzukurbeln. Der Klassiker ist der Hinweis auf eine angebliche Unterversorgung mit bestimmten Enzymen, Mineralstoffen, Vitaminen oder Spurenelementen.

Angsterzeugung ist eine ebenso erfolgreiche wie perfide Strategie: Wer Angst hat, gerät unter Druck – und denkt nicht lange darüber nach, was er tun soll, er folgt einfach der Anweisung und kauft. So lassen sich die Menschen in die gewünschte Richtung drängen und gefügig machen. Das sollten wir nicht mit uns machen lassen, denn es versetzt uns nicht nur in Daueralarm, sondern nimmt uns die Freiheit der eigenen Entscheidung.

Merken, wenn Angst erzeugt wird – und erst einmal innehalten

Das Muster der Angsterzeugung ist im Grunde simpel: „Wenn Sie nicht dies oder jenes tun, wird das und das passieren – mit für Sie unkalkulierbaren, womöglich dramatischen Folgen.“ Wann immer Sie merken, dass Ihnen jemand nach diesem Muster Angst machen will, werden Sie misstrauisch. Halten Sie inne und stellen Sie sich diese eine Frage: „Stimmt das wirklich?“ Sie sind schließlich nicht naiv – und überlegen lieber dreimal, wem Sie Ihr Vertrauen schenken wollen.

Nehmen Sie sich Zeit

Bei dieser Art von Alarmismus, der Sie zu einer sofortigen, möglichst unreflektierten Handlung drängen möchte, können Sie in den allermeisten Fällen getrost davon ausgehen, dass nichts anbrennen würde, wenn Sie noch ein Weilchen warten und die Zeit nutzen, um sich kundig zu machen.

Es gibt genügend frei zugängliche Wissensquellen – sei es in gedruckter Form oder im Netz – um sich ein eigenes Bild zu machen: Werde ich wirklich krank, wenn ich dieses oder jenes Mittel nicht nehme? Natürlich findet man zu vielen Themen auch sehr kontroverse Darstellungen, doch wenn Sie die Informationen gegeneinander abwägen, werden Sie schnell auch als Nichtmedizinerin oder Nichtmediziner ein Gefühl dafür bekommen, was Sache ist und was nicht. Ihre Leitfrage bei dieser Abwägung ist nicht, ob etwas generell zutrifft, sondern ob es auf Sie persönlich zutrifft oder nicht: Sind Sie selbst gefährdet, wenn Sie das Mittel nicht einnehmen – oder gibt Ihre gesundheitliche Verfassung tatsächlich keinen Grund zur Sorge?

Das Vertrauen in den eigenen Geist und den eigenen Körper

Als Kontrapunkt zur Urangst – also der Angst vor dem Ende, dem Tod – gibt es auch das Urvertrauen. Dieses Urvertrauen besagt: „Tief in mir drin weiß ich, was für mich gut ist und was nicht. Das lasse ich mir auch von niemandem ausreden – und von irgendeiner Produktwerbung schon gar nicht.“ Hören Sie auf diese innere Stimme. Hören Sie auch auf sie, wenn Sie unsicher sind – und suchen Sie in diesem Fall ärztlichen Rat. Bewahren Sie sich auf jeden Fall Ihre Freiheit – die Freiheit der persönlichen Entscheidung.

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