Zeit und
Wohlbefinden

Zeit ist ein sehr wichtiger Faktor für unser Wohlbefinden. Doch wir beachten sie nur wenig und bemerken sie kaum, registrieren aber gelegentlich, dass schon wieder viel Zeit vergangen ist. Wie können wir lernen, sinnvoll mit Zeit umzugehen? Vier kurze Denkanregungen zum Phänomen Zeit, die auch Ihr Leben positiv verändern können.

CHRONOTYPEN

Die innere, die biologische Uhr tickt bei jedem Menschen anders – Schlaf- und Wachphasen, Leistungsvermögen, Hormonspiegel, Körpertemperatur haben zu unterschiedlichen Tageszeiten unterschiedliche Ausprägungen. Da gibt es die Frühaufsteher (Lerchen genannt) oder die Langschläfer (Eulen genannt). Lerchen haben ihr Leistungshoch in den Vormittagsstunden, Eulen sind dafür gern auch mal nachtaktiv. Schwierig wird es, wenn Frühaufsteher abends Höchstleistungen vollbringen müssen und Langschläfer beim ersten Hahnenschrei zur Arbeit genötigt werden. Eine graduelle Anpassung ist möglich, bleibt aber – weil gegen die biologische Uhr gerichtet – schwierig.

ZEITREISEN DURCH ZEITZONEN

Jeder Mensch lebt auch ohne Fernreisen ständig in drei Zeitzonen. Diese drei Zeitzonen – Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – bestimmen unser Leben. Meistens leben wir vor allem in der Gegenwart, gehen ganz im Hier und Jetzt auf. Natürlich riskieren wir ab und an auch einen Blick in die Zukunft – mal erwartungsfroh, mal sorgenvoll. Weitgehend verdrängt ist die dritte Zeitform: die Vergangenheit. Doch gerade die – also die bereits erlebte und durchlebte Zeit mit all ihren guten oder weniger guten Erfahrungen – prägt bewusst oder unbewusst unser Gegenwartserleben und damit auch unsere Zukunft. Unsere künftigen Möglichkeiten sind nicht auf eine Wiederholung des Vergangenen beschränkt, sie entwickeln sich aber daraus.

DER ERFÜLLTE AUGENBLICK

Man kann jeden Augenblick nur einmal erleben – kaum ist er gekommen, ist er auch schon wieder gegangen. Zeit ist also flüchtig und wertvoll. Deshalb ist es so wichtig, sorgsam mit ihr umzugehen und sie nicht mit Dingen zu verbringen, die uns im Grunde unwichtig sind. Das heißt nicht, dass wir unsere Zeit bis auf die letzte Minute mit vermeintlich Nützlichem verplanen müssen. Wir sollten aber lernen, unsere Zeit auch im Alltag bewusst zu erleben und so zu gestalten, dass wir sie als schön oder erfüllt in Erinnerung behalten. So reichert der gelebte Augenblick unseren Erfahrungsschatz an und macht uns fit für die Zukunft.

AUSZEIT

Der Ausdruck Auszeit ist irreführend, denn so lange wir leben, leben wir immer in der Zeit. Dennoch können wir versuchen, die zeitliche Routine zu durchbrechen und aus unserer normalen Zeitplanung auszubrechen. Die Auszeit wird zu einer neuen Zeitebene, in der wir Dinge neu erleben. Wir treten in ein anderes Zeiterleben ein. Das dort Erlebte kann uns stärker, zufriedener und glücklicher machen. Die Dauer einer Auszeit ist flexibel – es kommt vor allem auf die Intensität des Erlebens an. Eine Auszeit will allerdings gut geplant sein, damit uns die Zeit nicht zwischen den Fingern zerrinnt.

Lassen sich Lerchen und Eulen umprogrammieren?

Ob Sie Frühaufsteher oder Langschläfer sind, hängt nicht nur von Ihren persönlichen Vorlieben ab. Es wird vielmehr weitgehend von Ihren Genen bestimmt. Langfristig lebt gesünder, wer nicht aktiv seinen biologischen Rhythmus ignoriert. Hören Sie also auf Ihren Körper. Allerdings können Sie durchaus mit ein paar Tricks Ihre innere Uhr etwas verstellen. 

Während die einen gut gelaunt um 6 Uhr aus dem Bett springen, quälen sich die anderen noch um 10 Uhr aus den Federn. Schlafforschende unterteilen die Schlafgewohnheiten deshalb in zwei große Gruppen: die Lerchen und die Eulen:

  • Lerchen kennzeichnen sich dadurch, dass sie bei Tagesanbruch fit sind und morgens ihre leistungsfähigste Zeit haben.
  • Eulen hingegen stehen deutlich später auf, erreichen im Laufe des Tages ihre Leistungshöhepunkte und schlafen erst spät nach Mitternacht ein.

Wenn Sie sich keiner der Gruppen deutlich zuordnen können, liegt das vermutlich darin, dass Sie ein durchschnittlicher Chronotyp sind. Ihr Schlafverhalten liegt irgendwo zwischen den Lerchen und den Eulen – wie übrigens bei den meisten Leuten. Noch dazu wechselt die innere Uhr im Laufe eines Lebens: Im Kleinkindalter sind viele Menschen Lerchen, in der Pubertät verschiebt sich das Schlafverhalten zur Eule, danach pendelt es sich beim genetisch bedingten Typ ein und im Rentenalter sind wieder mehr Lerchen zu finden.

Chronischer Schlafmangel schadet der Gesundheit

Ob Sie nun mehr Lerche oder Eule sind, ist genetisch bedingt. Dagegen anzukämpfen bringt also wenig. Meistens beschert es einem nur chronischen Schlafmangel, der nicht selten eine geringere Leistungsfähigkeit, schlechte Laune, ein mangelhaftes Gedächtnis und gesundheitliche Probleme wie Übergewicht nach sich zieht. Von daher empfiehlt es sich nachzuspüren, wie die eigene Uhr tickt. Expertinnen und Experten fordern deshalb, den Schulbeginn nach hinten zu schieben, die Bürozeiten flexibel zu gestalten und die Möglichkeit auszuweiten, im Homeoffice zu arbeiten. Leider machen sich diese Forderungen in der Arbeitswelt kaum bemerkbar. Teilweise könnte sie auch gar nicht umgesetzt werden, denn nur weil zum Beispiel der Bäcker ein Langschläfer ist, kann er nicht erst gegen Mittag in der Backstube erscheinen – die Menschen möchten früh morgens ihre frischen Brötchen. Auch die Landwirtin kann kaum lange im Bett liegen, wenn die Tiere gefüttert und die Kühe gemolken werden müssen.

An der eigenen Uhr drehen

Wer nicht nach seiner inneren Uhr leben kann, kann aber durchaus ein wenig an ihr drehen. Das geht mal besser, mal schlechter – und einigen Menschen gelingt es trotz jahrelanger Versuche nicht. In dem Fall ist es unter Umständen besser, die Notbremse zu ziehen und im Ernstfall der eigenen Gesundheit zuliebe über einen Jobwechsel nachzudenken. Bevor Sie aber zu dieser letzten Möglichkeit greifen, können Sie eine Reihe von Tricks versuchen.

  • Lassen Sie Vorhänge und Jalousien offen. Wenn morgens das Licht ins Schlafzimmer scheint, wachen selbst Langschläferinnen und Langschläfer besser auf. Im Winter kann Ihnen ein Tageslichtwecker beim sanften Aufwachen helfen.
  • Öffnen Sie das Fenster. Durch die frische Luft erhöht sich die Schlafqualität. Außerdem weckt im Frühling und Sommer das Zwitschern von Vögeln besser als jeder Wecker.
  • Trinken Sie nachmittags und abends keine koffeinhaltigen Getränke mehr. Das gilt insbesondere für Kaffee, Softgetränke, schwarzen Tee und Energy-Drinks.
  • Überdenken Sie Ihren Alkoholkonsum. Das Gläschen Rotwein am Abend wirkt zwar zunächst förderlich aufs Einschlafen, doch ist es auch ein Feind des Tiefschlafs.
  • Meiden Sie vor dem Einschlafen blaues Licht. Smartphone, Laptop, Tablet und Co. sollten also ausbleiben.
  • Wählen Sie Ihre Abendbeschäftigung kritisch. Ein schönes Buch oder ein guter Film zum Entspannen ist nicht verkehrt. Doch manchmal putscht ein Krimi derart auf, dass er das Einschlafen konsequent verhindert.
  • Erhöhen Sie Ihren Melatoninspiegel auf natürliche Weise. Lebensmittel wie zum Beispiel Cranberries und Pistazien sind reich an natürlichem Melatonin. Ein Versuch ist es Wert, ob ein paar geknabberte Früchte Sie besser einschlafen lassen.
  • Unternehmen Sie das ganze Jahr über ausgedehnte Spaziergänge an der frischen Luft. Besonders Lerchen leiden im Winter unter der Dunkelheit. Natürliches Licht hilft dabei, die innere Uhr zu eichen und hebt die Laune.

Auszeit vom Job

Vom Sabbatical träumen viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Doch so verlockend die Aussichten auf eine längere Auszeit auch sind, die Verwirklichung bietet einige Hürden. Das Finanzielle muss geklärt werden, ebenso die Rentenzahlungen und die Krankenversicherung. Auch über die Rückkehr in den Job sollten Sie sich vorher Gedanken machen.

Das Haus renovieren, reisen, eine Fortbildung machen oder ein Buch schreiben: Der Wunsch nach einer Auszeit kann viele Gründe haben. Früher war ein Sabbatical vor allem nach dem Abitur oder während des Studiums üblich. Doch immer mehr Arbeitnehmende vor allem im mittleren Alter wünschen sich, mal für eine Weile rauszukommen aus der täglichen Tretmühle – und gönnen sich das auch. Allerdings lässt sich eine Auszeit nicht von heute auf morgen realisieren. Sie muss langfristig geplant werden. Mit einem Jahr Vorlauf sollten Sie also rechnen.

Während dieser Zeit gilt es zu klären, warum Sie ein Sabbatical möchten. Um es vorweg zu nehmen: Einfach mal nach Herzenslust mehrere Monate auf dem Sofa zu chillen, ist kein überzeugender Grund. Denn im Normalfall wird Ihr Arbeitgeber auf Basis Ihrer Gründe entscheiden, ob und wie lange er Ihnen „frei“ gibt. Schließlich wollen die meisten Beschäftigten nach der Pause zurück in ihren Job. Bei der nächsten Bewerbung wirft eine begründete, sinnvoll gefüllte Auszeit im Lebenslauf zudem keine Fragen bei Personalabteilungen auf.

Gründe für die Auszeit

Anlass für ein Sabbatical kann beispielsweise eine Fortbildung sein, für die während des Jobs keine Zeit bleibt, die Sie aber beruflich weiterbringt. Auch der Wunsch etwas auszuprobieren, kann eine Auszeit rechtfertigen. Vielleicht planen Sie, einen Roman zu schreiben oder möchten Ihr bisheriges Hobby professionell ausbauen. Nicht zuletzt können Sie gesundheitliche Gründe anführen: Anhaltender Stress, ständige Anspannung oder körperliche Arbeit kann der Gesundheit langfristig psychisch und physisch schaden. Bevor es zu ernsthaften Problemen kommt, kann eine Pause von einigen Monaten eine rettende Notbremse sein. Um sich wirklich zu erholen, sollten Sie konkrete Pläne schmieden. Fragen Sie sich, wo Sie am besten abschalten können. Das ist individuell verschieden und kann beispielsweise während eines Aufenthaltes in einem Kloster sein oder bei einer Reise.

Wer zahlt die Krankenversicherung?

Der nächste Schritt ist die konkrete Ausgestaltung Ihrer Pläne. Die größte Hürde ist vermutlich die Finanzierung. Wie viel Geld Sie benötigen, hängt von Ihren Plänen ab und lässt sich nicht pauschal sagen. Schauen Sie sich Ihre monatlichen Ausgaben an und kalkulieren Sie großzügig, wie viel Sie während der Auszeit brauchen. Wer um die Welt reist, wird natürlich mehr ausgeben als jemand, der daheimbleibt und ein Buch schreibt.

Denken Sie außerdem an die Sozialversicherungen. Damit keine Lücke entsteht, ist es ratsam, freiwillig in die Rentenkasse einzuzahlen. Auskunft dazu erteilen die Beratungsstellen der Deutschen Rentenversicherung. Auch wegen der Krankenversicherung sollten Sie sich beraten lassen. Ansprechpartnerin ist Ihre Krankenkasse. Grundsätzlich gilt, dass ein Arbeitgeber bis zu vier Wochen als Sonderurlaub genehmigen kann. Wer seinen Jahresurlaub und einen etwaigen Überstundenabbau dazu nimmt, kommt vielleicht auf drei oder mehr Monate. Zwar gibt es während des Sonderurlaubs kein Gehalt, aber die Kranken- und Pflegeversicherung bleibt bestehen.

Anders sieht es bei einem ruhenden Arbeitsverhältnis aus. Hierbei werden Sie von Ihrem Job freigestellt. Da das Unternehmen nichts zahlt, müssen Sie die Sozialversicherungsbeiträge selbst tragen. Etwas komplizierter wird es, wenn Sie Ihr Sabbatical im Ausland verbringen.

Informieren Sie sich in jedem Fall zum Beispiel bei Ihrer Krankenkasse, ob zusätzliche Schutzmaßnahmen wie eine Auslandkrankenversicherung empfehlenswert oder sogar notwendig sind. Brechen Sie beispielsweise zu einer Weltreise auf, sollten Sie unbedingt vorab klären, ob und welche Reise- beziehungsweise Auslandskrankenversicherung Sie benötigen.

Modelle, um ein Sabbatical möglich zu machen

Einige Arbeitgeber bieten spezielle Regelungen für Auszeiten an. Ein gesetzlicher Anspruch besteht allerdings nicht – ausgenommen bei Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst. Die Modelle sind unterschiedlich. Üblich ist beispielsweise der Lohnverzicht, bei dem ein Teil des Gehaltes angespart wird. Während des Sabbaticals wird dieses Geld ausgezahlt, wodurch der Angestellte weiterhin normal sozialversichert ist.

Ähnlich funktioniert das Ansparen von Überstunden auf einem Arbeitszeitkonto. Hierbei erhalten Arbeitnehmende ebenfalls während der Auszeit volle Bezüge und sind komplett sozialversichert. Eine Variante davon ist das Ansparen von Überstunden und zusätzlich Weihnachtsgeld, Boni und nicht genutzten Urlaubstagen. Schließlich können Sie noch eine Teilzeitbeschäftigung vereinbaren, bei der Sie für ein entsprechend niedrigeres Gehalt Vollzeit arbeiten. Achten Sie bei jeder Möglichkeit auf gesetzliche Vorgaben und eine vertragliche Regelung.

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