Wie Ohren hören

Und warum Lärm nicht nur Ihren Ohren schadet

Unser Hörsinn ist immer aktiv. Laute oder unbekannte Geräusche versetzen uns in Alarmbereitschaft. Schöne Musik oder der Klang beruhigender Worte entspannen uns. Und nicht zuletzt spielt unser Gehör eine entscheidende Rolle für unsere Orientierung. Unser Alltag allerdings ist zunehmend geprägt von als störend empfundenem Lärm. Uns selbst und unsere Mitmenschen vor Lärm zu schützen ist gleichermaßen wichtig, denn dieser kann regelrecht krank machen. Lärm verursacht nicht nur irreversible Gehörschäden, sondern beeinflusst als Stressfaktor langfristig auch unser Nervensystem und unser Hormonsystem. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und chronische Schlafstörungen sind nur zwei der möglichen Gesundheitsbeeinträchtigungen.

An Arbeitsplätzen mit starker Lärmbelastung werden die Ohren in der Regel mit einem entsprechenden Gehörschutz vor Schäden bewahrt. In der Freizeit dagegen gehen viele äußerst nachlässig mit Lärm um. Dauerbeschallung mit Musik über Kopfhörer ist genauso an der Tagesordnung wie lärmende Gartengeräte. Wir geben Tipps, wie Sie Ihre Ohren schützen und pflegen und wie Sie Lärmstress für sich und andere reduzieren können.

So funktioniert unser Hörsinn

Ständig sind wir von Schallwellen umgeben. Auf ihren unterschiedlichen Frequenzen basieren unsere vielfältigen akustischen Wahrnehmungen. Aufgefangen von unserer Ohrmuschel, gelangen die Schallwellen durch den äußeren Gehörgang auf das Trommelfell. Die winzigen Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel leiten die hier erzeugten Schwingungen weiter in das Innenohr mit Hörschnecke (Cochlea) und Gleichgewichtsorgan. Unser Gehirn schließlich gibt den Tönen Sinn und ordnet sie ein: Wir erkennen Stimmen und verstehen gesprochene Worte, wir unterscheiden harmonische Klänge von lauten, alarmierenden Geräuschen.

Etwa 400.000 Töne im Frequenzbereich zwischen 20 und 20.000 Hertz kann unser empfindliches Gehör wahrnehmen. Und weil die Schallwellen unsere beiden Ohren minimal zeitverzögert erreichen, erkennen wir die Richtung, aus der die Geräusche kommen. Unser Gleichgewichtszentrum im Gehirn wertet die aus dem Gleichgewichtsorgan kommenden Signale aus und sorgt beispielsweise über die Aktivierung bestimmter Muskelgruppen dafür, dass wir nicht stürzen.

Ohrenpflege

Unsere Ohren sind von Natur aus pflegeleicht und selbstreinigend. Kleine Flimmerhärchen im äußeren Gehörgang sorgen dafür, dass Fremdsubstanzen wie winzige Staub- oder Schmutzpartikel genauso wie abgestoßene kleine Hautschuppen und überschüssiges Ohrenschmalz in Richtung Ohrmuschel abtransportiert werden. Es reicht also völlig, die Ohrmuschel mit lauwarmem Wasser und Waschlappen oder Wattepad regelmäßig zu reinigen. Zusätzlich sollte man das Ohr auch hinter der Ohrmuschel mit Wasser reinigen und gut abtrocknen. Andernfalls können sich hier, gerade bei Kindern, Entzündungen bilden.

Vom tiefen Bohren im Gehörgang zu vermeintlichen Reinigungszwecken mit Wattestäbchen, Haarnadeln, aufgebogenen Büroklammern oder teuren Spezialreinigungsgeräten ist dringend abzuraten. Zum einen schieben Stäbchen das Ohrenschmalz noch tiefer ins Ohr, zum andern besteht eine erhebliche Verletzungsgefahr des empfindlichen Trommelfells durch spitze Gegenstände. Kleine Hautverletzungen bieten einen idealen Nährboden für unerwünschte Keime. Bei dem Versuch, den Gehörgang mit einem harten Wasserstrahl zu reinigen, besteht ebenfalls die Gefahr, das Trommelfell zu schädigen.

Ohrenschmalz ist kein Schmutz im Ohr. Vielmehr hält das leicht klebrige Sekret die Haut geschmeidig und hilft, das Eindringen von Keimen ins Ohrinnere zu verhindern. Mitunter produziert das Ohr allerdings zu viel Ohrenschmalz. Es bildet sich ein regelrechter Pfropf, der das Hörvermögen beeinträchtigt und als störend empfunden wird. Hier empfiehlt sich eine professionelle Reinigung in der HNO-Arztpraxis.

So ungesund ist Lärm

Umfragen des Umweltbundesamts zufolge fühlen sich viele Deutsche durch Lärm belästigt: Verkehrslärm ist mit 75 Prozent die am häufigsten als störend benannte Lärmquelle. Es folgen Nachbarschaftslärm (60 Prozent), Industrie- und Fluglärm (beide 42 Prozent) sowie Schienenverkehrslärm (35 Prozent). Dabei ist Lärm viel mehr als nur ein Störfaktor des subjektiven Wohlbefindens. Lärm hat viele schädliche Auswirkungen auf unsere Gesundheit, übrigens auch bei denjenigen, die sich nach eigener Einschätzung an höhere Lärmpegel gewöhnt haben. Chronischer Lärm kann regelrecht krank machen. Auf eine dauerhafte Lärmbelastung während der Nacht, unserer eigentlichen Ruhephase, reagieren wir empfindlicher als auf Lärm in unserer aktiven Zeit während des Tages.

  • Ein sehr kurzer, extrem hoher Schalldruck, etwa verursacht durch explodierende Feuerwerkskörper, schädigt das Innenohr. Ein akuter Hörverlust, anhaltende Ohrgeräusche (Tinnitus), Taubheitsgefühle bis hin zu einer dauerhaften Schwerhörigkeit sowie Gleichgewichtsstörungen können die Folgen eines solchen Knalltraumas sein.
  • Lärmbelastung kann zu irreversiblen Hörschäden wie Schwerhörigkeit führen. Betroffen sind zunehmend Kinder und Jugendliche. Ursächlich sind hier oftmals das Musikhören über minderwertige Kopfhörer oder Konzertbesuche.
  • Unter chronischem Lärm werden vermehrt Stresshormone ausgeschüttet: Das Risiko für Bluthochdruck, erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte, Schädigungen der Gefäße, Herzinfarkt und eine geschwächte Immunabwehr steigt.
  • Lärm verursacht Schlafstörungen. Häufiges nächtliches Aufwachen stört die Ruhephase, während der Nacht werden vermehrt Stresshormone freigesetzt, am Morgen sind Betroffene müde und antriebslos und nicht erholt und ausgeruht.

Schwerhörigkeit und Demenz

Lärm kann das Hörvermögen nachhaltig beeinträchtigen. Aber auch mit dem Alter lässt das Hörvermögen nach, auch wenn viele Betroffene das nicht wahrhaben wollen. Wecker und Klingel oder auch Naturgeräusche werden überhört, TV und Radio müssen immer lauter eingestellt werden, Fragen werden oft falsch oder erst nach mehrfachem Nachfragen beantwortet, auffällig viele Fragen werden nur einsilbig mit einem „Ja“ beantwortet oder eine Ansprache wird ohne Blickkontakt gar nicht wahrgenommen: Solche Anzeichen einer Schwerhörigkeit sollten nicht ignoriert werden.

Das Gehirn sitzt nicht umsonst zwischen den Ohren: Durch den Mangel an akustischen Reizen bleibt das Gehirn unterfordert, als Folge lassen die kognitiven Fähigkeiten immer mehr nach. Außerdem geraten Betroffene leicht ins soziale Abseits, wenn sie Gesprächen nicht mehr folgen oder aktiv an ihnen teilnehmen können. Gleichzeitig steigt das Risiko, eine Demenz zu entwickeln oder in eine Altersdepression abzugleiten. Wer häufiger von Familie oder Freunden auf eine nachlassende Hörfähigkeit angesprochen wird oder diese selbst bemerkt, sollte eine HNO-Praxis aufsuchen: Ein passendes Hörgerät gleicht die Schwerhörigkeit bis zu einem gewissen Grad aus und kann die Lebensqualität verbessern.

Gehörschutz am Arbeitsplatz

Die Arbeit auf Baustellen, in Fabriken, in landwirtschaftlichen Betrieben, in Zahnarztpraxen, in einer Bar oder in einem Orchester sowie in Schule und Kindergarten ist oft mit hohen Lärmpegeln verbunden. 80 Dezibel entsprechen in etwa dem Geräusch eines Rasenmähers, 85 Dezibel einer Bohrmaschine, 90 Dezibel einem Presslufthammer in zehn Metern Entfernung. Das Gesetz nimmt daher die Arbeitgebenden in die Pflicht: Ab einem Tages-Lärmexpositionspegel von 80 dB(A) muss ein Gehörschutz zur Verfügung gestellt werden, ab einem Wert von 85 dB(A) oder darüber besteht die Pflicht, diesen zu tragen. Auch wer nur kurzzeitig, aber regelmäßig großer Lärmbelastung ausgesetzt ist, sollte sein Gehör gut schützen.

Ohrmuschel
äußerer Gehörgang
Trommelfell
Paukenhöhle
Hörschnecke
Steigbügel
Bogengänge
Hammer
Amboss

So schützen Sie sich selbst vor Lärm

  • Gehör an lauten Arbeitsplätzen konsequent schützen. Gehörschutzstöpsel tragen bei lauten Konzerten oder auf Festivals.
  • Auf eine permanente Geräuschkulisse verzichten, unnötigen Lärm durch Radio oder Fernsehen im Hintergrund vermeiden.
  • Bei kurzzeitig akutem Lärm etwa durch vorbeifahrende Krankenwagen oder laute Baumaschinen die Ohren zuhalten.
  • Kopfhörer mit Schallpegelbegrenzung kaufen.
  • Den Ohren echte Auszeiten gönnen, nach dem Besuch eines Konzerts oder einer Sportveranstaltung in einer Halle benötigen die Ohren acht bis zehn Stunden Ruhe zur Regeneration.
  • Denken Sie bitte auch daran, andere vor Lärm zu schützen. Achten Sie bei Neuanschaffungen von Geräten wenn möglich auf lärmreduzierte Varianten.

Akute Mittelohrentzündung

Heftig pochende, stechende Schmerzen im Ohr, dazu ein unangenehmes Druckgefühl, eine eingeschränkte Hörfähigkeit, Fieber und ein schlechter Allgemeinzustand: Diese Symptome sind typisch für eine akute Mittelohrentzündung (Otitis media). Kinder sind besonders häufig betroffen, denn ihre Ohrtrompete ist noch kürzer als die von Erwachsenen. So können bei einer Erkältung leicht Erreger aus dem Nasen-Rachen-Raum in das Ohr gelangen und eine schmerzhafte Entzündung auslösen. Doch auch bei Erwachsenen ist sie nicht selten.

Vereinbaren Sie bei Verdacht auf eine Mittelohrentzündung einen Termin in der Arztpraxis für eine sichere Diagnose. Bettruhe und eine Linderung der Beschwerden stehen im Mittelpunkt der Therapie. In der Regel klingt die Erkrankung bei einem unauffälligen Verlauf nach wenigen Tagen ohne Komplikationen ab.

Was ist eine Mittelohrentzündung?

Ausgangspunkt einer Mittelohrentzündung ist meist eine Erkältung. Geschwollene Schleimhäute im Nasen-Rachen-Bereich verengen die Ohrtrompete (Eustachische Röhre). Das nach außen durch das Trommelfell abgeschlossene Mittelohr wird nicht mehr hinreichend belüftet. Über die Ohrtrompete können sich Viren oder Bakterien in der Schleimhaut im Mittelohr einnisten und leicht eine Entzündung auslösen. Sich bildendes Sekret fließt nicht ab, sondern drückt auf das Trommelfell.

Das macht sich bemerkbar mit einem pulsierenden, stechenden Schmerz, der oft zunächst nachts auftritt. Begleitend kommen hohes Fieber oder starke Kopfschmerzen hinzu. Doch eine Mittelohrentzündung kann auch ohne diese typischen Symptome verlaufen. Babys und Kleinkinder greifen sich ständig ans Ohr (Ohrzwang), schlafen unruhig, sind quengelig, wollen nicht essen oder trinken oder haben unspezifische Symptome wie Bauchschmerzen oder Übelkeit.

Gelegentlich kommt es zu einem sogenannten Ohrenfluss: Das Trommelfell bekommt feine Durchbrüche und das aufgestaute Sekret fließt nach außen ab. Das Sekret kann geruchlos, trübe oder wässrig, aber auch eitrig und dickflüssig sein.

Kinder besonders häufig betroffen

Innerhalb der ersten sechs Jahre macht fast jedes Kind eine Mittelohrentzündung durch, besonders gefährdet sind Kleinkinder zwischen sechs und 18 Monaten, denn ihr Ohr ist noch nicht vollständig ausgereift. Die Ohrtrompete ist kürzer, vergrößerte Rachenmandeln können sie zusätzlich verengen. In den ersten Jahren kommen Infekte der oberen Atemwege bei Kindern häufig vor. Auch bei von Viren verursachten Infekten kann es begleitend zu einer bakteriellen Mittelohrentzündung kommen. Viele Viren wie beispielsweise Grippe- oder Herpesviren können aber auch selbst Auslöser einer Mittelohrentzündung sein.

Therapie: Beschwerden lindern

Oft heilt eine akute Mittelohrentzündung in wenigen Tagen von selbst ab. Abschwellende Nasensprays oder Nasentropfen, schleimlösende oder fiebersenkende Präparate sowie Schmerzmittel lindern während dieser Zeit die Beschwerden. Wenden Sie Medikamente nur nach ärztlicher Absprache an, gerade bei Kindern ist die richtige Dosierung wichtig. Verabreichen Sie Ihrem Kind unter zwölf Jahren nicht auf eigene Faust Präparate mit dem Wirkstoff ASS, da diese das gefährliche Reye-Syndrom mit Leber- und Hirnschäden auslösen können. Die Wirksamkeit von Ohrentropfen ist nicht belegt. Sie dürfen überhaupt nur bei einem unverletzten Trommelfell angewendet werden.

Bei leichten Verläufen einer Mittelohrentzündung werden Antibiotika heute zurückhaltender verordnet als früher. Zum einen bilden sich immer mehr Resistenzen, zum anderen kann nach neueren Erkenntnissen die häufige Einnahme von Antibiotika während der Kindheit nachhaltig die Darmflora schädigen. Wird doch ein Antibiotikum verordnet, bitte unbedingt nach Vorschrift einnehmen!

Als Hausmittel haben sich Wadenwickel zum Fiebersenken bewährt (nicht bei kalten Füßen anwenden). Auf das betroffene Ohr aufgelegte Zwiebelsäckchen können Schmerzen lindern. Inhalieren mit Salzwasser löst den Schleim.

So reduzieren Sie das Risiko einer Erkrankung für Ihr Kind

Eine Mittelohrentzündung lässt sich oft nicht verhindern. Doch mit folgenden Tipps können Sie das Risiko für Ihr Kind reduzieren:

  • Die Wohnräume rauchfrei halten.
  • Bei einer Erkältung nicht ins Schwimmbad gehen.
  • Die Ohren nur vorsichtig reinigen und keine Wattestäbchen verwenden, da Erreger auch durch ein verletztes Trommelfell ins Mittelohr gelangen können.
  • Nasensprays lassen bei einer Erkältung die Schleimhäute nicht so stark anschwellen, das Mittelohr wird besser belüftet (nicht zu hoch dosieren und nicht länger als eine Woche anwenden).
  • Stillen Sie Ihr Kind, wenn möglich; das Stillen stärkt das Immunsystem, gestillte Kinder erkranken statistisch gesehen weniger häufig.
  • Ausreichend trinken.

Wenn sich im Kopf alles dreht, kann es an den Ohren liegen

Alles dreht sich, es wird schwarz vor den Augen, ein Gefühl des Kippens, Schwankens, Taumelns und der Benommenheit stellt sich ein: Schwindel oder Vertigo wird von Betroffenen unterschiedlich empfunden, ist jedoch immer mit großer Unsicherheit verbunden. Fast jeder hat Schwindel in irgendeiner Form schon einmal erlebt. Die Ursachen hierfür können sehr unterschiedlich und auch ganz harmloser Natur sein, wenn uns etwa eine rasante Fahrt in einem Kirmeskarussell aus dem Gleichgewicht bringt.

Kommt es jedoch auch ohne Karussellfahrten oder ähnlichen Dingen häufiger zu Schwindelanfällen, treten sie bei bestimmten Kopfbewegungen oder in Verbindung mit anderen Beschwerden auf, ist ein Termin in der Hausarztpraxis angezeigt, um den Ursachen auf die Spur zu kommen.

Im Gleichgewicht sein

Unser empfindliches Gleichgewichtsorgan, auch Vestibularapparat genannt, befindet sich in unseren Innenohren. Feinste Sinneszellen erfassen Lage und Veränderung im dreidimensionalen Raum, nehmen lineare Veränderungen der Geschwindigkeit (Beschleunigung beim Autofahren) sowie Drehbeschleunigungen (Kopfdrehungen) wahr. Unser Gehirn wertet diese Signale zusammen mit Informationen der Augen und unseres Tastsinns aus und veranlasst reflexartige Reaktionen – das können eine Blickänderung oder die Aktivierung bestimmter Muskeln sein –, die dazu dienen, uns im Gleichgewicht zu halten. Bei einer Störung unseres Gleichgewichtssinns verlieren wir diese Orientierung im Raum. Folge: Uns wird schwindelig.

Aus dem Gleichgewicht gekommen

Schwindel ist ein Symptom und keine eigenständige Erkrankung. Er kann viele Ursachen haben. Schon eine neue, noch ungewohnte Brille, zu schnelles Aufstehen aus der Hocke, das Erklimmen eines hohen Turms oder eine Flug- oder Schiffsreise können Schwindel hervorrufen. Schwindel kann als Attacke auftreten, Tage oder sogar Monate anhalten (Dauerschwindel) oder zum ständig wiederkehrenden Begleiter werden (chronischer Schwindel). Die genaue Selbstbeobachtung Betroffener (wann, wie oft und in welcher Form tritt der Schwindel auf?) hilft bei der ärztlichen Abklärung der Ursachen. Die Diagnose bestimmt die Therapie. Zu den Ursachen gehören:

Gutartiger Lagerungsschwindel

Ein Neigen oder Zurückbiegen des Kopfes, nächtliches Umdrehen im Bett sowie morgendliches Aufstehen führen zu sehr kurzen, aber heftigen Schwindelattacken, die oft begleitet sind von Schweißausbrüchen, Übelkeit, Sehstörungen und Angstempfinden. Ursache können winzige, in den Bogengängen des Innenohrs abgelagerte Ohrsteinchen sein, die über die Sinneszellen irritierende Signale an das Gehirn weitergeben. Aufgrund solcher Fehlinformationen kommt es zu Drehschwindel. Therapiert wird mit einem Lagerungstraining unter ärztlicher Anleitung, unterstützende Medikamente werden allenfalls zu Beginn der Therapie gegeben.

Morbus Menière (anfallartiger Drehschwindel)

Bei der sogenannten Menière-Krankheit bildet sich im Innenohr zu viel Flüssigkeit. Starker Druck führt zu kleinen Verletzungen, die Flüssigkeit verlagert sich, die Sinneszellen leiten Fehlinformationen an das Gehirn und es kommt zu extremem Drehschwindel, begleitet von Ohrgeräuschen, Druckgefühl und Hörstörungen. In unregelmäßigen Abständen können sich die Attacken wiederholen und die Lebensqualität stark einschränken. Therapiert wird in der akuten Phase mit Medikamentengabe, oft ergänzt durch psychotherapeutische Betreuung.

Weitere mögliche Ursachen für Schwindel sind: Ohrerkrankungen wie Mittel- oder Innenohrentzündungen, Entzündungen des Gleichgewichtsnervs Alkoholmissbrauch, Migräne, Gefäßveränderungen, niedriger Blutdruck, Schleudertrauma, Diabetes. Auch psychische Ursachen wie Angststörungen oder Depressionen können, insbesondere bei Jüngeren, Schwindelanfälle auslösen. Hier wird sich die Therapie immer nach der konkreten Ursache richten.

Im Gleichgewicht sein

Unser empfindliches Gleichgewichtsorgan, auch Vestibularapparat genannt, befindet sich in unseren Innenohren. Feinste Sinneszellen erfassen Lage und Veränderung im dreidimensionalen Raum, nehmen lineare Veränderungen der Geschwindigkeit (Beschleunigung beim Autofahren) sowie Drehbeschleunigungen (Kopfdrehungen) wahr. Unser Gehirn wertet diese Signale zusammen mit Informationen der Augen und unseres Tastsinns aus und veranlasst reflexartige Reaktionen – das können eine Blickänderung oder die Aktivierung bestimmter Muskeln sein –, die dazu dienen, uns im Gleichgewicht zu halten. Bei einer Störung unseres Gleichgewichtssinns verlieren wir diese Orientierung im Raum. Folge: Uns wird schwindelig.

Hörschäden

bei Kindern und Jugendlichen

Kinderkrankheiten wie Scharlach, Mittelohrentzündungen, der Knall einer Spielzeugpistole oder Dauerbeschallung durch den MP3-Player: Kinderohren sind empfindlich. Deshalb sollten sie vor schädigenden Einflüssen geschützt werden. Falls Sie bei Ihrem Kind einen Hörschaden vermuten, sollten Sie das so schnell wie möglich in der Facharztpraxis checken lassen. Denn je früher eine Hörstörung erkannt wird, desto besser.

Wenn Ihr Kind Zurufe wie „Nicht in die Pfütze springen!“ oder „Räum bitte die Bauklötze weg“ scheinbar nicht hört, liegt die Ursache dafür mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht an Problemen mit dem Gehör. Anders sieht es aus, wenn Ihr Baby bei einem Türknallen nicht erschrickt, den Kopf nicht in Richtung einer Geräuschquelle dreht, nicht hörbar lacht oder in seiner sprachlichen Entwicklung zurückbleibt. Dann sollten Eltern im wahrsten Sinne des Wortes hellhörig werden. Denn Hörschäden bei Kindern sind nicht gerade selten. Zeigt ein Kind hierbei Auffälligkeiten, sollte es nach rund vier Wochen in einer geeigneten Arztpraxis nachuntersucht werden. Schließlich gilt: Je früher ein Hörschaden entdeckt wird, desto besser. In vielen Fällen lässt sich die Ursache beheben. Falls nicht, helfen beispielsweise Hörgeräte oder ein sogenanntes Cochlea-Implantat, das eingesetzt wird, wenn kein ausreichendes Hörvermögen mehr besteht, in Kombination mit professionellen Sprachförderungsmaßnahmen weiter. Oft stehen die Chancen gut, dass das Kind eine normale Schule besuchen und später am öffentlichen Leben ungehindert teilnehmen kann.

Hörschäden können schon bei Neugeborenen auftreten

Die Ursachen für ein beeinträchtigtes Gehör sind vielfältig. Liegt eine Schwerhörigkeit von Geburt an vor, so kann sie vererbt sein. Infektionen während der Schwangerschaft oder Schwierigkeiten während der Geburt gelten ebenfalls als häufige Ursachen. Doch auch später kann es zu einem Hörschaden kommen, beispielsweise durch Mittelohrentzündungen oder Kinderkrankheiten wie Scharlach, Mumps oder Röteln. Um das Hörvermögen zu schützen, sollten darüber hinaus Wattestäbchen tabu sein. Besonders bei kleinen Kinderohren ist die Gefahr groß, das Trommelfell bei dem Versuch, die Ohren zu reinigen, zu verletzen. Ebenfalls eine potenzielle Gefahr droht durch lautes Spielzeug, zum Beispiel eine Spielzeugpistole. Wird sie direkt am Ohr abgefeuert, kann sogar ein dauerhafter Schaden entstehen.

Freizeitlärm schädigt das Gehör

Bei Teenagern ist das Gehör vor allem durch sogenannten Freizeitlärm gefährdet. Die dauerhafte Musikbeschallung über das Smartphone ist zum Alltagsbegleiter geworden, und auf Partys kann die Musik nicht laut genug sein. Bedenklich wird es immer dann, wenn über einen längeren Zeitraum hinweg das Gehör durch eine hohe Lautstärke übermäßig strapaziert wird. Im schlimmsten Fall verursacht die laute Musik, die durch die Kopfhörer schallt, einen dauerhaften Gehörschaden. Erste Anzeichen dafür können Pfeifgeräusche sein, Ohrenschmerzen oder wenn die Jugendlichen anfangen, lauter als gewöhnlich zu reden. Manchmal wird auch die Lautstärke am TV-Gerät hochgedreht oder die Noten in der Schule verschlechtern sich bedenklich.

Ob bei einem Teenager, einem Kleinkind oder einem Baby: Wann immer Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind schlecht hört, sollten Sie die Kinderarztpraxis aufsuchen. Gegebenenfalls werden Sie von dort an eine pädiatrische Facharztpraxis oder eine Hals-Nasen-Ohren-Arztpraxis überwiesen. Denn die Ursachen eines Hörverlustes und eine geeignete Therapie können nur Facharztpraxen einleiten.

Tinnitus

Rauschen, Rattern, Pfeifen, Zischen, Piepsen, Knarren, Klopfen, Klingeln, Brummen oder Summen: Störende kurzzeitige Ohrgeräusche ohne objektive Geräuschquelle hat fast jeder schon einmal wahrgenommen. Zum Glück verschwindet das Ohrklingeln oder Ohrensausen (medizinisch Tinnitus) meist nach kurzer Zeit. Taucht die Hörstörung allerdings länger als drei Monate immer wieder auf, spricht man von einem chronischen Tinnitus. Auslöser für die Hörstörung können Ohrerkrankungen genauso wie übermäßiger Stress sein. Senken Sie Ihr persönliches Risiko durch ein gutes Stressmanagement und das Meiden von Lärm, etwa durch den Verzicht auf eine Dauerbeschallung Ihrer Ohren mit lauter Musik.

Lärm im Ohr beeinträchtigt Lebensqualität

Geräusche in Ohr und Kopf versetzen uns in Alarmbereitschaft, wenn wir ihnen keine Bedeutung zuordnen können. Bei einem Tinnitus tauchen Geräusche ganz unterschiedlicher Art und Tonhöhe wie hohe Pieptöne oder ein unterschwelliges tiefes Rauschen gleichzeitig oder nacheinander entweder auf einem Ohr oder auf beiden Ohren immer wieder auf. Auch im Kopfinnern werden die Geräusche registriert. Dazu kommt, dass außer uns niemand anders auch nur irgendetwas hört, denn eine objektive Lärmquelle gibt es nicht. Solange die Wahrnehmung nur kurzzeitig bleibt, ist das für die meisten kein Problem. Doch die Geräusche können auch chronisch werden, wenn sie über Monate immer wieder auftauchen. Konzentrations- oder Schlafstörungen können die Folge sein. Manche Betroffene ziehen sich zunehmend zurück: Die Ohrgeräusche werden zu einer psychischen Belastung.

Tinnitus: vielfältige Ursachen

Ein Tinnitus ist eher ein Symptom als eine Erkrankung. Wenn die Geräusche nach zwei bis drei Tagen nicht von allein verschwinden, vereinbaren Sie einen Termin in der HNO-Praxis, um die genaue Ursache abklären zu lassen. Mögliche Ursachen: ein Ohrschmalzpfropf, Mittelohr- oder Innenohrentzündungen, Durchblutungsstörungen, Trommelfelldefekte, Erkältungen, Nasennebenhöhlenentzündung, Lärmschwerhörigkeit, hohe Lärmbelastung durch überlaute Musik, Knalltrauma, Hörsturz, Morbus Menière (Drehschwindel), Blockaden in der Halswirbelsäule oder im Mund- und Kieferbereich, Bluthochdruck, psychische Belastungen durch Stress, Überforderung oder Angststörungen. Die Therapie richtet sich nach der Diagnose. Mit der erfolgreichen Behandlung einer Ohrenerkrankung verschwinden auch die Ohrgeräusche. Bei einem chronischen Tinnitus, einem hohen Leidensdruck oder psychischen Ursachen kann eine Verhaltenstherapie angezeigt sein.

Tinnitus bei Kindern und Jugendlichen

Zwar steigt das Risiko für einen Tinnitus mit dem Alter, doch auch immer mehr Kinder und Jugendliche sind betroffen. Während bei Kindern die Ohrgeräusche als Begleiterscheinung einer Mittelohrentzündung auftreten können, ist der Auslöser bei Jugendlichen oft Freizeitlärm. Bei Konzertbesuchen oder Sportveranstaltungen in Hallen sind die Lärmpegel sehr hoch, dazu kommt eine permanente Beschallung der Ohren mit Musik über Kopfhörer. Auch Probleme in der Schule oder der Familie können einen Tinnitus auslösen.

So schützen Sie sich selbst

  • Meiden Sie allzu viel Lärm, achten Sie auf ausreichenden Gehörschutz am Arbeitsplatz.
  • Wenn Sie unterwegs gern Musik hören, besorgen Sie sich hochwertige Kopfhörer.
  • Gönnen Sie Ihren Ohren eine Pause nach Konzertbesuchen oder lauten Sportveranstaltungen.
  • Lernen Sie einen guten Umgang mit Stress.

So helfen wir Ihnen bei Tinnitus

Die pronova BKK unterstützt die Tinnitus-Therapie mit der Smartphone-App Tinnitracks und übernimmt die Kosten für die ersten zwölf Monate. Die App arbeitet mit Ihrer individuellen Tinnitus-Frequenz und verschafft damit eine nachhaltige Linderung. Tinnitracks filtert die individuelle Tinnitus-Frequenz aus Ihren Lieblingssongs heraus und analysiert zusätzlich, ob die ausgewählten Musiktitel geeignet sind. So ist es ganz einfach, eine individuelle Playlist mit der geeigneten Lieblingsmusik anzulegen. Durch das regelmäßige Hören der speziell gefilterten Musik können sich die Nervenzellen beruhigen, die für den andauernden Ton verantwortlich sind – die Lautstärke Ihres Tinnitus wird reduziert.

Wenn Ihr individueller Tinnitus für die Behandlung mithilfe der Tinnitracks-App geeignet ist, erhalten Sie in Ihrer teilnehmenden HNO-Praxis eine Tinnitracks-Guthabenkarte. Auf tinnitracks.com/de/pronovabkk legen Sie Ihr persönliches zwölfmonatiges, kostenfreies Benutzerkonto an. In der Tinnitracks-App hinterlegen Sie Ihre individuelle Tinnitus-Frequenz und wählen Ihre Lieblingsmusik aus.

Kopfhörer-Check

Wo liegen die Unterschiede?

Ohne andere zu stören, kann man mit Kopfhörern jederzeit und überall seine Lieblingsmusik hören. Kopfhörer gibt es mit und ohne Kabel – letztere sind ideal beim Sport. Für welche der Kopfhörervarianten Sie sich entscheiden, hängt von Ihren Nutzungsvorlieben ab. Teure Kopfhörer liefern in der Regel eine bessere Klangqualität, gesünder für die Ohren sind sie nicht unbedingt. Generell gilt, dass nicht die Konstruktion, sondern die Lautstärke Ihre Ohren schädigt.

Earbuds liegen lockerer im Ohr als In-Ears. Sie schirmen Außengeräusche nicht komplett ab und überzeugen im Vergleich zu In-Ears oft durch einen besseren Tragekomfort.

In-Ear-Kopfhörer sitzen fest im äußeren Gehörgang, sind also praktisch bei sportlicher Aktivität. Bei dauerhaftem Gebrauch besteht allerdings die Gefahr, dass sie Ohrenschmalz nach innen schieben und sich so ein verhärteter Pfropf bildet. Da In-Ears Umgebungsgeräusche kaum ins Ohr durchlassen, sollten sie nicht im Straßenverkehr getragen werden.

Over-Ear-Kopfhörer umschließen das Ohr komplett. Gerade in einer lauteren Umgebung wie Bus oder Bahn stören Umgebungsgeräusche den Hörgenuss so kaum. Außerdem werden Over-Ears oft als angenehmer empfunden, weil sie nicht auf das Ohr drücken. Allerdings lassen sie sich wegen ihrer Größe auch nur schlechter in einer Tasche verstauen.

On-Ear-Kopfhörer liegen auf den Ohren auf. Einerseits beeinträchtigen Umgebungsgeräusche den Musikgenuss bis zu einem gewissen Grad, andererseits dringen Verkehrsgeräusche noch zu den Ohren durch, was das Hören unterwegs sicherer macht. On-Ear-Kopfhörer drücken manchmal allerdings unangenehm auf dem Ohr.

Noise-Cancelling-Kopfhörer unterdrücken mit einer speziellen Technologie (ANC) aktiv Außengeräusche, verursachen aber je nach Qualität selbst unangenehme Nebengeräusche, sind klangverändernd oder die Geräuschunterdrückung ist auf bestimmte Frequenzbereiche beschränkt. Diese Funktion kann aber auch dazu führen, dass man – etwa als Fußgänger im Straßenverkehr – Signale oder andere Verkehrsteilnehmer überhört.

Grundsätzlich spricht nichts gegen Kopfhörer, solange der Musikkonsum im Rahmen bleibt – also nicht zu laut und nicht mehrere Stunden am Stück. Wenn Sie den Kopfhörer an Ihr Smartphone anschließen oder damit verbinden, liefert Ihnen dieses sogar Nutzungsstatistiken. Eine geräteseitig vorhandene Lärmdrosselung sollten Sie übrigens nicht mutwillig aushebeln. Denn für die Ohren bedeutet eine Dauerbeschallung über Kopfhörer Stress. Gerade laute Musik direkt aufs Ohr kann das Gehör schädigen.

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