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Alter schützt vor Mobbing nicht

Mobbing, also das Schikanieren und Ausgrenzen anderer, schreiben die meisten Menschen sozialen Räumen wie der Schule (wir berichteten in unserer Winter-Ausgabe 2021/2022 darüber), dem Arbeitsplatz oder dem Internet zu. Eine Gruppe gerät in dieser Aufzählung jedoch nahezu in Vergessenheit: die der älteren Menschen. Doch Mobbing kann überall vorkommen, wo Menschen über einen längeren Zeitraum zusammen sind, also auch in Senioren- und Pflege­einrichtungen.

Mobbing ist auch unter Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflege­einrichtungen oft harte Realität. Diese Form der psychischen Gewalt kann hier unbewusst (weil krankheitsbedingt) sein, aber auch mit voller Absicht geschehen. Sicher geben Pflegeeinrichtungen ihr Bestes, damit es nicht zu Situationen von Aggression oder hinterhältiger Schikane unter den Pflegebedürftigen kommt. Doch darüber hinaus können auch alle, die Angehörige in einer Einrichtung haben, auf Anzeichen achten, die auf Fälle von Mobbing hindeuten.

Von Verbalattacken bis hin zu körperlicher Aggression

Beleidigen, beschimpfen, anschreien, herumkommandieren, mit der Faust oder mit dem Stock drohen, schubsen, kratzen, spucken, mit Dingen werfen oder mit dem Rollator rammen: Mobbing in Einrichtungen für Ältere und Pflegebedürftige hat viele Facetten. Eine einzelne Attacke kann dabei ganz unspektakulär sein. Doch in der Summe wird Mobbing für Betroffene zu einer großen Belastung, sie geraten immer mehr in die Defensive. Schlimmer wird es noch, wenn sich mehrere aktiv Mobbende zu einer Gruppe zusammenschließen: Das Drangsalieren, Tyrannisieren, Schneiden oder Ausgrenzen bekommt System und nimmt Fahrt auf, Gemobbte werden immer weiter isoliert. Neben möglichen körperlichen können auch schwere emotionale und seelische Verletzungen die Folge sein.

Auslöser …

Die Auslöser für hinterhältige Schikane sind ganz unterschiedlich. Es kann um die Sitzordnung beim gemeinsamen Essen gehen oder um das versehentliche Eindringen in persönliche Bereiche eines anderen Menschen. Auch Unstimmigkeiten beim Lüften, bei der richtigen Zimmertemperatur oder der Lautstärke des Fernsehers führen dazu, dass Feindschaften scheinbar wie aus dem Nichts entstehen. Missverständnisse aufgrund von Hör- oder Sehproblemen können genauso Mobbing nach sich ziehen wie ständiges Umherwandern, lautes Sprechen oder Rufen. Manchmal werden auch Demenzkranke zu Opfern, einfach weil sie nicht so sind wie die anderen oder durch ihre Unruhe als störend empfunden werden. Die Zahl der Auslöser ist schier unbegrenzt. Doch woran liegt es, dass diese Auslöser sich in dem Mobbing anderer entladen?

… und Gründe

Die Gründe für aggressives Verhalten sind vielfältig: Emotionen wie Wut und Eifersucht können genauso dahinterstecken wie Langeweile oder Frust über die eigene Situation, die von Angst, Schmerzen sowie depressiven Verstimmungen geprägt sein kann. In einigen Fällen sind die Verhaltensweisen biografisch bedingt, man hat vielleicht früher selbst unter Mobbing gelitten und möchte das nun heimzahlen. Manchmal gehören Ungeduld und Intoleranz einfach zu den charakterlichen Merkmalen. Übrigens sind Demenzkranke nicht nur Opfer, sie können auch selbst mobben. Hier darf man natürlich keine Absicht unterstellen. Dennoch muss auch hier nach einer Problemlösung gesucht werden.

Tipps für Angehörige

Sollten Ihre Angehörigen Ihnen von Mobbing­erfahrungen in der Einrichtung berichten, nehmen Sie die Hinweise ernst und lassen Sie sich die Vorgänge genau schildern. Schwieriger ist die Lage bei einer Demenzerkrankung, wenn Ihre dementen Angehörigen als Opfer die Lage selbst nicht mehr richtig einschätzen oder nicht davon berichten können. Seien Sie aufmerksam für Änderungen im gewohnten Verhalten: Wirkt Ihre angehörige Person anders als sonst, unruhiger, aufgewühlt, in sich zurückgezogen, aggressiv, schreckhaft oder ängstlich? Kleine sichtbare Verletzungen wie Kratzer oder Blutergüsse wiederum können Anzeichen für körperliches Mobbing sein. Doch was können Sie tun?

Suchen Sie in jedem Fall das Gespräch mit den Pflegekräften oder der Heimleitung und fragen Sie nach Auffälligkeiten wie Schlafschwierigkeiten oder Veränderungen im Essverhalten wie etwa einer Essens­verweigerung.

Bei einer Betreuung im Zweibettzimmer achten Sie auf den Umgang der Zimmernachbarn untereinander, manchmal ist eine angespannte Atmosphäre spürbar. Doch seien Sie sensibel, nicht hinter jedem Anzeichen oder hinter jeder Anschuldigung verbirgt sich sofort Mobbing. Sprechen Sie mit den Pflegekräften oder der Heimleitung über Ihre Vermutung. Manchmal verbessert sich die Situation schon durch einen Zimmerwechsel oder einen Platzwechsel im Speisesaal. Vielleicht sind Sie auch mal bei Gemeinschafts­aktionen mit anderen Heimbewohnerinnen und Heimbewohnern willkommen, so erleben Sie ihren Umgang untereinander.

Zeigen Sie möglichst oft Präsenz: Die Mobbenden merken, dass ihr Opfer nicht allein ist und familiären Rückhalt hat. Sie merken auch, dass sie selbst unter Beobachtung stehen, und lassen dann meist von ihrem Opfer ab.

Wenn die Entfernung zur Einrichtung oder sonstige Gründe Ihnen nur selten Gelegenheit für Besuche lassen: Haben Sie kein schlechtes Gewissen! Halten Sie engen telefonischen Kontakt zu der Heimleitung und bleiben Sie mit den Pflegekräften im Gespräch. Sie werden mit Sicherheit informiert werden, falls Ihre Angehörige oder Ihr Angehöriger in Spannungen verwickelt sein sollte.

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