Im Podcast Angelina Boerger über ihr Leben mit ADHS

In unserem Podcast „Jetzt mal ehrlich“ erzählt Angelina, wie sie Schritt für Schritt gelernt hat, mit ihren ADHS-Symptomen zu leben. Sie berichtet, welche Unterstützung sie durch Therapie und Medikamente bekommt und welche Strategien ihr im Alltag helfen.

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Ein Porträtfoto von Angelina Boerger
In unserem Podcast „Jetzt mal ehrlich“ erzählt Angelina, wie sie Schritt für Schritt gelernt hat, mit ihren ADHS-Symptomen zu leben. Sie berichtet, welche Unterstützung sie durch Therapie und Medikamente bekommt und welche Strategien ihr im Alltag helfen.

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Anders denken, hören, sehen

Angelina lebt mit einem Kopf, der niemals stillsteht. Gedanken rasen, Gefühle fluten, Reize prasseln. Lange hat sie geglaubt, mit ihr stimme etwas nicht. Dass sie zu empfindlich sei, zu unruhig, zu anders. Erst mit 29 erfährt sie: Es ist ADHS. Keine Schwäche, sondern einfach eine andere Art, wie ihr Gehirn funktioniert.

Besonders im Kontakt mit der Außenwelt, also wenn Erwartungen, Strukturen, unausgesprochene Regeln auf sie treffen, wird das spürbar. „Man hat ständig das Gefühl, irgendwie falsch zu sein“, sagt sie. Ein genervtes Augenrollen, ein Kommentar, der hängen bleibt – Kleinigkeiten, die sich über Jahre summieren und am Selbstwert kratzen.

Auffällig­keiten in der Kind­heit

Ihre Kindheit ergibt rückblickend plötzlich Sinn. Schon damals war da vieles, das man hätte erkennen können: die sprudelnden Gedanken, die Begeisterung, die Detailverliebtheit – aber eben auch das ständige Zuviel. „Ich konnte mich in Dingen völlig verlieren“, sagt sie, „aber nur, wenn sie mich wirklich interessiert haben.“ In den 90ern, im katholischen Dorf, blieb das unbemerkt. Ihre alleinerziehende Mutter wollte sie schützen – vor einem Stempel und Gerede.

Erst als sie auszieht, kippt das Gleichgewicht. Das Sicherheitsnetz aus Schule und Zuhause fällt weg, und mit ihm die Struktur. Jetzt ist da niemand mehr, der erinnert, auffängt, sortiert. „Ich war plötzlich allein verantwortlich. Für alles.“ Essen einkaufen, Miete zahlen, pünktlich sein – Dinge, die andere selbstverständlich erledigen, werden für Angelina zum Stolperstein.

Titelfoto der Podcast-Folge mit Angelina Boerger

Das komplette Interview im Video

Angelina Boerger ist 29, als sie endlich eine Antwort auf das jahrelange Chaos in ihrem Kopf bekommt: ADHS bei Erwachsenen. Die späte ADHS-Diagnose ist für Angelina kein Schock, sondern eine Befreiung. Mehr dazu in unserem Podcast "Jetzt mal ehrlich".

Alltag mit ADHS

Mit der Überforderung kommen die Symptome, die sie nicht mehr übersehen kann: Rücken- und Kopfschmerzen, Verspannungen. Der Körper sagt, was der Kopf lange ignoriert: „Ich war dauerangespannt, schon beim Aufstehen.“ Es ist der Moment, in dem sie sich Hilfe sucht und langsam versteht, was hinter all dem steckt. Nicht ich bin das Problem, sondern ein System, das kaum Raum für neurodiverse Menschen lässt.

Heute weiß sie: Ihr Gehirn funktioniert anders, nicht schlechter. Hyperfokus und Chaos sind 2 Seiten derselben Medaille. Wenn sie für die Arbeit an einem Text schreibt, taucht sie komplett ab, vergisst Raum und Zeit, isst und trinkt nicht, bis der Text fertig ist. So schafft sie vieles deutlich schneller als ihre Kolleg*innen. „Ich liebe das, was ich tue. Aber es kostet viel Kraft, erst mal anzufangen.“

Therapie hilft ihr, Strukturen zu finden, die für sie funktionieren. Ansonsten helfen die Klassiker: Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und soziale Kontakte.

Angelina spricht offen über ihre ADHS. Über die Schattenseiten, aber auch über die schönen. Über ihre Kreativität, Spontaneität und ihren Gerechtigkeitssinn. „Anders sein bedeutet nicht, falsch zu sein“, sagt sie, „sondern Vielfalt – in Hirnen, in Gefühlen, in Wahrnehmungen.“

Info

Kurzporträt: Angelina Boerger

Die Journalistin, Autorin und Content-Creatorin (@kirmesimkopf) spricht offen über ihr Leben mit ADHS, die bei ihr erst mit 29 Jahren diagnostiziert wurde. Die späte ADHS-Diagnose ist für Angelina kein Schock, sondern eine Befreiung. Heute spricht sie offen darüber, warum sie Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität nicht als Krankheit sieht, sondern als eine andere Art zu denken – kreativ, intensiv und manchmal chaotisch.