Dr. Rudolph, was unterscheidet ADHS in der Kindheit und im Erwachsenenalter?
Vor 15 Jahren haben noch alle gesagt: ADHS wächst sich aus, das gibt es gar nicht im Erwachsenenalter. Ich denke, das liegt daran, dass sich die Symptome verändern. Kinder sind oft hyperaktiv und impulsiv. Als Erwachsene*r lernt man, das ein Stück weit zu kontrollieren. ADHS zeigt sich dann oftmals in einer inneren Unruhe, einem Getriebensein.
Und wie unterscheidet es sich nach Geschlecht?
Frauen beißen viel mehr die Zähne zusammen, die kämpfen sich durch. Das hat viel mit der Sozialisation und der Erziehung zu tun: „Ein braves Mädchen ist so und so.“ Bei Jungen wird eher gefördert: „Hey, das ist ein wilder Junge, ein richtiger Kerl.“
Ein weiterer Aspekt: Wir denken immer an den Zappelphilipp – einen Jungen. Aber auch bei Mädchen gibt es die hyperaktive Form. Da denkt nur keiner dran. Ich glaube, ADHS gibt es im Kindesalter genauso oft bei Mädchen wie bei Jungen.