VOLL IM TREND: BITTERNOTEN

Was bitter dem Mund, ist dem Magen gesund – so lautet eine alte Volksweisheit. Lange Zeit geriet sie in Vergessenheit. Bitterstoffe wurden aus Lebensmitteln wie Gurken und Möhren herausgezüchtet und Süßes immer beliebter. Doch jetzt heißt es: Weg von zu viel Süßem und hin zu Bitterem – was langfristig sogar der Figur gut bekommt.

Bitter ist unbeliebt. Babys verziehen bei Spinat das Gesicht, Kinder schubsen den Rosenkohl vom Teller und viele Erwachsene greifen eher zum milden Salatblatt als zum bitteren Chicorée. Lange galt Bitter als unwillkommen auf dem Teller, weswegen es aus vielen Gemüsesorten herausgezüchtet wurde. So verschwand die bittere Note beispielsweise aus Salatgurken, Spargel, Wildmöhren und Zucchini. Heute liegt Bitter im Trend – wer sich bewusst ernähren möchte, kommt um Bitterstoffe nicht herum. Sie wirken sich positiv auf die Verdauung aus, können Heißhungerattacken stoppen und kurbeln die Gallensaftproduktion an, wodurch die Fettverbrennung in Schwung kommt.

ALTE SORTEN SIND BITTERER

Allerdings ist es gar nicht mehr so einfach, mit natürlich bitteren Lebensmitteln zu kochen. In Supermärkten liegt heute meist Obst und Gemüse ohne Bitterstoffe. Fragen Sie deshalb auf Bauernmärkten oder Biohöfen gezielt nach alten Sorten, da diese oft noch ihren bitteren Charakter erhalten haben. Wenn Sie einen Garten oder Balkon haben, können Sie Pflanzen mit Bitterstoffen dort anbauen. Auch auf naturbelassenen Wiesen findet sich Bitteres wie Löwenzahn oder Gänseblümchen.

AUF DEN GESCHMACK KOMMEN

Bitter ist also gesund. Doch warum hat es einen schlechten Ruf? Der saure Geschmack warnte uns ursprünglich vor unreifen oder verdorbenen Früchten, der bittere vor giftigen Inhaltsstoffen. Doch genauso wenig, wie alles Saure unreif ist, ist alles Bittere giftig. Außerdem liegt sogar ein besonderer Reiz darin, zwischendurch in etwas sehr Saures zu beißen oder sich auf etwas sehr Bitteres einzulassen. Und Geschmacks­gewohnheiten lassen sich ändern – fort von allzu viel Süßem und hin zu leichten Bitternoten. Man kann beides übrigens gut kombinieren, also zum Beispiel einen Löwenzahnsalat mit Obst anrichten oder Rosenkohl mit Honig und Mandeln genießen. Auch Fette wie Pflanzenöle, Sahne oder Butter puffern Bitternoten gut ab.

Bitte bitter:

Obst
Grapefruit, Pomelo

Gemüse
Artischocke, Brokkoli, Mangold, Rosenkohl, Spinat, Grünkohl und überhaupt alle Kohlsorten

Salat
Endivie, Radicchio, Rucola, Löwenzahn, Chicorée

Kräuter
Gänseblümchen, Schafgarbe, Brennnessel, Wegwarte, Tausendgüldenkraut, Baldrian, Beifuß, Pfefferminze

Getränk
Kaffee, Ingwertee, grüner Tee

Warum sind Bitterstoffe gesund?

Sie sind für den Magen-Darm-Trakt wohltuend, kurbeln die Fettverbrennung an und helfen beim Abnehmen: Trotz ihres gewöhnungsbedürftigen Geschmacks sind Bitterstoffe wichtig für die Gesundheit.

Ob Kräuterheilkunde, ayurvedische Ernährungslehre oder chinesische Medizin: Dass Bitterstoffe gesund sind, ist altbekannt. Trotzdem sind sie mehr und mehr in Vergessenheit geraten. Doch wer sich gesund ernähren möchte, sollte bewusst bittere Lebensmittel essen. Es schmeckt anfangs nicht? Das ist kein Problem, weil sich die Geschmacksnerven für bitteren Geschmack trainieren lassen. Greifen Sie also öfter zu Brokkoli, Artischocken, Grapefruit, Ingwer oder Radicchio und Rucola. Denn Bitterstoffe fördern die Speichelproduktion im Mund und regen dadurch die Verdauung an. Auch für den Magen-Darm-Trakt sind sie wohltuend: Sie aktivieren unter anderem Leber, Bauchspeicheldrüse und Gallenblase, sodass vermehrt Verdauungssäfte produziert werden. Auf diese Weise wirken sich die Bitterstoffe also mildernd bei Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl und unkontrolliertem Aufstoßen aus. Auch wer auf seine schlanke Linie achten möchte, wählt Mahlzeiten mit bitteren Zutaten, weil durch die angeregte Verdauung die Fettverbrennung gefördert wird. Zudem hemmen Bitterstoffe den Appetit. Man isst kleinere Portionen und nimmt folglich weniger Kalorien zu sich.

Bittere Artischocken und Grapefruits
Eine Gemüsesorte, die besonders hervorzuheben ist, ist die Artischocke. Sie enthält den Bitterstoff Cynarin. Diesem sagt man nach, dass er einen positiven Einfluss auf die Leber habe und sogar die Regeneration von Leberzellen anrege. Bei regelmäßiger Einnahme soll er darüber hinaus helfen, den LDL-Cholesterinwert sowie den Blutdruck zu senken. Grapefruit und Pomelos enthalten den Bitterstoff Naringenin, der nach heutiger Erkenntnis ebenfalls dazu beiträgt, den Cholesterinwert zu senken, und so hilft, Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Allerdings kann Grapefruitsaft dazu führen, dass einige Medikamentenwirkstoffe nicht ausreichend vom Körper aufgenommen werden und viel schwächer oder im Gegenteil stärker als sonst wirken. Das betrifft beispielsweise einige Cholesterinsenker, Beruhigungsmittel, Mittel gegen Allergien sowie einige Blutdrucksenker. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte vorsichtshalber den Grapefruitverzehr ärztlich abklären.

Bitter für das Immunsystem
Eine außergewöhnlich hohe Konzentration an Bitterstoffen finden sich darüber hinaus in Heilkräutern wie Salbei, Rosmarin oder Oregano und in Wildkräutern wie Sauerampfer, Mariendistel und Löwenzahn. Anders als bei vielen Gemüsesorten wie zum Beispiel Eisbergsalat oder Chicorée wurden die Bitterstoffe hier nicht herausgezüchtet. Da sich die hohe Dosis an Bitterstoffen positiv auf die Darmregion auswirkt, wird zugleich das Immunsystem gestärkt – beides steht über das sogenannte Mikrobiom des Darms in enger Wechselwirkung miteinander. Zudem enthalten Wild- und Heilkräuter viele natürliche Vitamine und Mineralstoffe, die ihrerseits die Immunabwehr kräftig ankurbeln.

Bitter setzt Trends

Rucola-Radicchio-Salat mit Orange, Grünkohl mit Pasta, Grapefruit-Dessert und Gänseblümchentee: Bitter ist vielseitig, gesund und wird zunehmend beliebter. Lange Zeit dominierten die Geschmacksrichtungen süß und salzig. Dabei schmeckt Herbes herrlich – man muss sich nur darauf einlassen.

Mittlerweile liegt eine Auswahl an verführerischen Bitterschokoladen im Supermarktregal. Auch bei den Getränken ist bitter beliebt. Der Inbegriff des bitteren Getränks ist Bier, das dank des Hopfens eine herbe Note besitzt – auch in seiner alkoholfreien Variante. Und wer kann schon morgens auf seinen Kaffee verzichten? Stark aufgebrüht, macht er nicht nur munter, sondern entfaltet ein ganzes Bouquet feiner Bitteraromen.

Wenn Sie gleichzeitig noch etwas für Ihre Gesundheit tun möchten, dann trinken Sie statt eines Kaffees eine Tasse grünen Tee oder einen Aufguss aus Wildkräutern, frisch gepflückt auf einer unbelasteten Wiese. Einem Tee aus Gänseblümchen beispielsweise wird nachgesagt, er bekämpfe Erkältungen, reinige die Haut, entschlacke den Körper – und mache nicht zuletzt gute Laune.

Bitteres Obst und Gemüse auch für Kinder
Wer Wildkräuter lieber isst als trinkt, für den hat die Natur den Tisch ebenfalls reichlich gedeckt, beispielsweise mit Brennnesseln und Walnüssen für einen Salat oder Löwenzahn und Giersch für eine Suppe. Die enthaltenen natürlichen Bitterstoffe wirken unter anderem appetitanregend und fördern die Verdauung. Deswegen stehen Lebensmittel mit Bitterstoffen bei Menschen, die sich bewusst ernähren möchten, hoch im Kurs. Kinder essen bekanntlich lieber, was dem Gaumen schmeichelt. Ihnen kann es meistens nicht süß genug sein. Trotzdem sollten Lebensmittel wie Gemüse und Obst auf ihrem Speiseplan stehen, die bitter schmecken. Wenn die Kleinen sehen, dass die Eltern Brokkoli oder eine Grapefruit mit Genuss essen, werden sie gern probieren. Falls es beim ersten Mal noch nicht richtig schmeckt, sollte es trotzdem immer wieder angeboten werden. Denn Geschmack lässt sich trainieren – so auch die Gewöhnung an Bitterstoffe. Anfangs hilft es zudem, die ungewöhnlich herben Lebensmittel mit einer süßlichen Note, zum Beispiel Honig, abzumildern.

Bitte(r)schön: Drei Rezepte mit einem Hauch von Bitter

Gänseblümchentee

Für eine große Tasse etwa 2 TL frisch gepflückte und gewaschene Blüten in die Tasse geben. Mit sprudelnd kochendem Wasser übergießen. Zugedeckt 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen.

Muschel-Minestrone
Zutaten für 4 Personen (schmeckt auch Kindern!)

1 Stange Staudensellerie
1 große Tomate
3 EL rote Linsen
500 g Brokkoli
100 g kleine Muschelnudeln (Conchiglie, ersatzweise Orecchiette)
1 Bund Schnittlauch
2 EL geriebener Parmesan
1 Knoblauchzehe
1 rote Zwiebel
Olivenöl, Salz, Pfeffer

Zwiebel und Knoblauchzehe abziehen, fein schneiden und im Olivenöl kurz anbraten. Sellerie und Tomate waschen, putzen und klein schneiden. Beides in den Topf geben und mitbraten. Mit einem Liter Wasser aufgießen, rote Linsen hinzufügen und alles zum Kochen bringen.

Brokkoli waschen und in Röschen teilen. Die Stiele schälen und in Scheiben schneiden. Röschen und Stiele zusammen mit den Nudeln in die Suppe geben und 10 bis 15 Minuten garen. Mit Salz und Pfeffer würzen. Inzwischen den Schnittlauch in feine Röllchen schneiden. Die fertige Minestrone in Teller geben und mit Schnittlauch und Parmesan bestreut servieren.

Grapefruit-Orangen-Dessert
Zutaten für 4 Personen

4 Grapefruits
4 Orangen
circa 200 g Naturjoghurt
2 TL Honig
Mandeln
Rosinen

Grapefruits und Orangen schälen und in Stücke schneiden. Honig und Joghurt glatt rühren. Die Mandeln ohne Fett in einer Pfanne kurz rösten. Anschließend die Grapefruits und Orangen portionsweise in Schälchen geben, die Joghurtsoße darüber gießen und mit gerösteten Mandeln und Rosinen garnieren.

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