Schmerzmittel:

Welcher Wirkstoff ist wann sinnvoll?

Frei verkäufliche Schmerzmittel sind schnelle Helfer in der Not, wenn sie effektiv leichte bis mittelschwere Schmerzen lindern. Doch sollten sie nur wenige Tage hintereinander und nicht überdosiert angewendet werden, denn auch rezeptfreie Präparate können Nebenwirkungen haben, unerwünschte Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten eingehen oder in eine Abhängigkeit führen. Bei länger anhaltenden Schmerzen sollte man mögliche Ursachen ärztlich abklären lassen, denn Schmerzmittel lindern zwar die Beschwerden, bekämpfen aber oftmals nicht deren Ursachen.

Am häufigsten werden Medikamente mit den Wirkstoffen Ibuprofen, Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol und Diclofenac rezeptfrei verkauft. Schmerzmittel gibt es als Tabletten, Brausetabletten, Granulat für die Einnahme ohne Wasser, Kapseln, Zäpfchen, Tropfen, Säfte sowie als Gels oder Salben. Frei verkäufliche Schmerzmittel sind nicht alle gleich. So wirken sie:

Ibuprofen:

Ibuprofenhaltige Arzneimittel lindern Schmerzen und senken Fieber. Sie hemmen sogenannte COX-Enzyme. Als Folge werden weniger Prostaglandine gebildet – Gewebshormone, die Entzündungsreaktionen und Fieber im Körper steuern. Zu den dokumentierten Nebenwirkungen gehören Magen-Darm-Beschwerden – eventuell das Mittel trotz Wirkverzögerung zum Essen einnehmen –, Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, juckende Hautausschläge, Asthmaanfälle und allergische Reaktionen.

Acetylsalicylsäure (ASS):

ASS wirkt als COX-Hemmer ebenfalls fiebersenkend und schmerzlindernd. Durch die verminderte Ausschüttung von schleimhautschützenden Prostaglandinen wird die Magenschleimhaut anfälliger. Magen-Darm-Beschwerden können bei der Einnahme auftreten, ebenso Kopfschmerzen, Schwindel und allergische Hautreaktionen. ASS hat einen blutverdünnenden Effekt. Bei Kindern unter zwölf Jahren kann ASS das gefährliche, zu schweren Hirn- und Leberschäden führende Reye-Syndrom auslösen, bitte auf andere Wirkstoffe ausweichen.

Diclofenac:

Das gleiche Wirkprinzip und ähnliche dokumentierte Nebenwirkungen wie Ibuprofen und ASS hat Diclofenac. Eine längere Einnahme in hohen Dosen erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall und kann zu Leberschäden führen. Weniger Nebenwirkungen haben Diclofenac-haltige Salben oder Gels, die etwa bei leichten Zerrungen und Schmerzen lokal aufgetragen werden.

Paracetamol:

Paracetamol senkt Fieber, hat aber nur eine geringe schmerzlindernde Wirkung und kaum antientzündliche Effekte, wobei der genaue Wirkmechanismus noch nicht bis ins Letzte geklärt ist. Paracetamol gilt als gut verträglich und ist auch für Kinder geeignet. In seltenen Fällen kann es zu Hautreaktionen kommen, bei Überdosierung zu Leberschäden. Auch Schwangere dürfen das Mittel einnehmen – mit Blick auf eine mögliche Überdosierung und die Gefahr einer Leberschädigung müssen die Dosierungsangaben nach Körpergewicht allerdings besonders streng beachtet werden.

„Schmerzmittel können die Ursachen der Schmerzen verdecken. Wenn die Schmerzen länger anhalten oder unklarer Ursache sind, suchen Sie bitte Ihre hausärztliche Praxis auf!”

Janina Wedemeyer, Apothekerin bei der pronova BKK

Mit Sauerkirschen,
Fisch und Curry
gegen den Schmerz?

Mit einer Portion Lachs akut heftige Schmerzen wegessen? Ganz so einfach ist das nicht, denn Substanzen in Nahrungsmitteln wie Vitamine, Enzyme, sekundäre Pflanzenstoffe oder bestimmte Fettsäuren bekämpfen Schmerzen nicht wie ein Schmerzmittel. Wer sich aber regelmäßig gesund und abwechslungsreich ernährt, dabei bestimmte Nahrungsmittel häufiger zu sich nimmt und andere reduziert, wappnet seinen Körper gegen entzündliche Prozesse und kann Schmerzzustände lindern.

In vielen Fällen entstehen Schmerzen durch im Körper ablaufende entzündliche Prozesse. Schmerzen können dabei auch in Schüben auftreten. Der Griff zur Schmerztablette ist oft verlockend einfach. Doch Schmerzmittel haben mitunter starke Nebenwirkungen, belasten Magen, Nieren und Leber und können sogar in eine Abhängigkeit führen. Natürlich in Lebensmitteln vorkommende Schmerzhemmer dagegen sind gut verträglich, lassen sich bei normalen Essgewohnheiten nicht überdosieren und machen nicht abhängig.

Fisch

Fette Seefische wie Lachs, Hering und Makrele enthalten wertvolle entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren. Wer wegen des Problems der Überfischung und möglicher Schadstoffbelastung von Kaltwasserfischen auf Fisch verzichten möchte oder schlicht keinen Fisch mag, setzt auf pflanzliche Öle.

Leinöl, Rapsöl und Walnussöl

Kleine Mengen (viel hilft nicht viel) wie ein Esslöffel pro Tag oder eine Handvoll Nüsse sind völlig ausreichend. Die empfindlichen Öle dürfen nicht erhitzt werden.

Beeren

Entzündungshemmende Pflanzenfarbstoffe (Anthocyane) sowie Gerbstoffe finden sich in dunklen Beeren, Trauben und Kirschen.

Zitronen

Saft von Zitronen und insbesondere auch die fein abgeriebene Schale (bitte hierfür nur Biozitronen verwenden) wirken immunstärkend und helfen, Entzündungen zu bekämpfen.

Ananas

Nur frische Ananas sind reich an dem entzündungshemmenden Enzym Bromelain. Lange Lagerung und Konservierung durch Hitze zerstört das wertvolle Enzym, das auch die Durchblutung fördert, die Verdauung anregt und bei frischen Verletzungen Heilungsprozesse fördern soll.

Zwiebelgemüse

Antioxidativ und antibakteriell wirkende Sulfide aktivieren die Selbstheilungskräfte des Körpers bei Entzündungen und können so Schmerzen reduzieren.

Ingwer, Kurkuma, Chili sowie andere Gewürze und Kräuter

Gewürze und Kräuter enthalten eine Vielzahl an ätherischen Ölen, die Schmerzen lindern und entzündliche Prozesse positiv beeinflussen können. Ingwer reduziert Gelenkschmerzen, Migräne und Übelkeit. Kurkuma ist effektiv bei Sodbrennen sowie Schmerzen in den Gelenken. Chilis enthalten natürliches Capsaicin, das auch in Schmerzpflastern seine lindernde Wirkung entfaltet. Eine Mischung aus Kreuzkümmel, Muskat und Koriander lindert Arthroseschmerzen. Kräuter wie Salbei und Kamille helfen bei Halsschmerzen.

Zucker, Fleisch, verarbeitete Lebensmittel und Alkohol hingegen enthalten von Natur aus oder als Zusätze Substanzen, die entzündlichen Prozessen Vorschub leisten.

Eine abwechslungsreiche Ernährung mit viel Gemüse und Obst, Nüssen, gesunden Ölen und regelmäßigen Fischmahlzeiten sowie weniger Zucker und Genussmitteln hilft außerdem, das Körpergewicht zu reduzieren, Bauchfett abzubauen und das Gewicht im normalen Bereich zu halten. Ein Zuviel an Bauchfett fördert nämlich entzündliche Prozesse im Körper, die vielfach mit Schmerzen einhergehen.

Warum Grapefruitsaft zur Schmerztablette keine gute Idee ist

Schmerzmittel lindern effektiv akute Schmerzen. Doch sowohl andere Arzneimittel als auch bestimmte Lebensmittel können deren Wirkmechanismen verstärken oder abschwächen. Die Grapefruit ist das bekannteste Beispiel für Arzneimittelwechselwirkungen. Aber auch andere Nahrungsmittel gehen unerwünschte Interaktionen mit Medikamenten ein. Daher ist es wichtig, die Medikamente möglichst immer mit einem Glas Leitungswasser einzunehmen und angegebene Karenzzeiten zu den Mahlzeiten einzuhalten.

Was bedeutet eigentlich „Wechselwirkung“?

Im Idealfall lindert das eingenommene Schmerzmittel zeitnah akute Schmerzzustände. Doch das funktioniert leider nicht immer, denn verschiedene Nahrungsmittel können durch eine Veränderung der Bioverfügbarkeit der aktiven Arzneisubstanz die komplexen Wirkmechanismen beeinflussen – es findet also eine Wechselwirkung zwischen der Arznei und dem Lebensmittel statt. Dadurch kann die Wirkung des Medikaments erhöht, abgeschwächt oder zeitlich verzögert werden. Auch kommt es teilweise zu Verstärkungen unerwünschter Nebenwirkungen der Präparate. Das beginnt schon bei der Einnahme der Tablette: Mineralwasser enthält anders als Leitungswasser oft viele Elektrolyte, die sich an die Wirkstoffe binden und so deren Wirkung beeinflussen können. Vorsicht gilt außerdem bei Grapefruitsaft, Ballaststoffen, Fetthaltigem und Alkohol.

Grapefruitsaft

Früchte wie Grapefruit und ihre Verwandten – dazu gehören Pomelos und Bitterorangen – können erhebliche Wechselwirkung mit Medikamenten eingehen. Auch wenn mehrere Stunden oder gar Tage zwischen einem Glas Saft (Achtung: auch Multivitaminsäfte können Grapefruit enthalten!) oder einem Obstsalat mit Grapefruit und der Einnahme von Schmerzmitteln liegen, ist das Risiko für unerwünschte Wechselwirkungen wie beispielsweise Herzrasen noch erhöht.

Ballaststoffe

Vollkornprodukte und Müsli sind gesund, denn sie enthalten viele darmgesunde Ballaststoffe. Doch gerade die können die Wirkung von Schmerzmitteln beeinträchtigen, indem sie chemische Substanzen von Präparaten mit Acetylsalicylsäure sowie Paracetamol binden. Diese werden dann gar nicht oder nur mit Verzögerung vom Körper aufgenommen. Die schmerzlindernde Wirkung kann sich nicht wie gewünscht entfalten. Auch alle anderen stark faserhaltigen Nahrungsmittel wie Rohkost, Kleie, Flohsamen oder Leinsamen sollten nicht in zeitlicher Nähe zur Einnahme von Schmerzmitteln in größeren Mengen verzehrt werden.

Fetthaltige Nahrungsmittel

Schmerzmittel besser nicht zu fettreichen Mahlzeiten einnehmen. Diese werden nämlich nur langsam verdaut, dadurch verzögert sich auch die Aufnahme des Wirkstoffs, und die schmerzlindernde Wirkung des Medikaments stellt sich erst mit zeitlicher Verzögerung ein.

Alkohol

Die Einnahme von Tabletten mit Alkohol ist absolut tabu, denn Alkohol macht Medikamente unberechenbar. Der Griff zu Aspirin oder anderen Präparaten, die Acetylsalicylsäure (ASS) enthalten, vor oder nach Alkoholkonsum kann gefährlich werden. Alkohol belastet nicht nur unsere Leber – diese ist auch für den Abbau von Medikamenten zuständig – und schädigt unseren Organismus. Alkohol kann auch die unerwünschten Nebenwirkungen von ASS wie Übelkeit, Sodbrennen und Magenschleimhautreizungen verstärken. Das Risiko für Magengeschwüre sowie Magen-Darm-Blutungen ist deutlich erhöht. Die Einnahme von Schmerzmitteln verstärkt außerdem die Wirkung von Alkohol auf unser Gehirn, Schwindel und Benommenheit können verstärkt auftreten. Gleiches gilt für die Wirkstoffe Ibuprofen und Diclofenac. Alkohol und Paracetamol in Kombination erhöhen das Risiko für Leberschäden, denn beide werden in der Leber über dasselbe Enzymsystem abgebaut.

Wichtiger Hinweis zum Schluss: Medikamente können auch die Aufnahme und Verwertung von Nährstoffen beeinflussen. Auch deshalb ist es wichtig, Arzneimittel nicht in Kombination mit bestimmten Nahrungsmitteln einzunehmen. Wenn Sie sich unsicher sind, ob Ihr Arzneimittel zu Wechselwirkungen führen kann, sprechen Sie dies bei Ihrem Arztbesuch an oder fragen Sie in der Apotheke nach.

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